Insolvente Geldtransportfirma
Heros gibt Kundengelder peu à peu frei

Vor fünf Monaten ging Deutschlands größter Geldtransporteur Heros pleite. Grund war offenbar Betrug. Einen Teil der veruntreuten Gelder bekommen die Kunden nun zurück. Doch es ist schwer, herauszufinden, wem wieviel zusteht.

HB HANNOVER. Wie der Insolvenzverwalter der Heros-Gruppe, Rechtsanwalt Manuel Sack, am Donnerstag in Hannover mitteilte, können von der Bundesbank sichergestellte Heros-Kundengelder zum Großteil ausgezahlt werden. Von den 140 Mill. Euro seien bereits 17 Mill. Euro an geschädigte Kunden überwiesen worden. Namen von Firmen, an die das Geld ging, nannte Sack nicht.

Die Zuordnung von Kundengeldern zu Geschädigten habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young übernommen, sagte Sack weiter. Auf Grund der Überprüfung der Einzahlungen von Kundengeldern durch die Wirtschaftsprüfer könnten in den nächsten Wochen bis 50 Mill. Euro ausgezahlt werden. Weitere 30 Mill. Euro wolle man kurzfristig einem von Heros-Kunden beauftragten Poolverwalter übergeben, der selbst deren Anteil an den Geldern ermitteln werde. Ein abschließendes Ergebnis der Zuordnung der Kundengelder erwartet Sack „für Ende August“. Insolvenzverwalter Sack bezeichnete die Zuordnung von Kundengeldern und Geschädigten als „äußerst schwierig“. Ernst & Young habe erst vor wenigen Wochen alle erforderlichen Daten erhalten.

Die Heros-Gruppe hatte nach Betrugsvorwürfen im Februar Insolvenz angemeldet. Bis zu 1 000 Unternehmen sollen geschädigt worden sein. Allein der Kölner Handelskonzern Rewe hat nach eigenen Angaben einen Ausfall von 160 Mill. Euro verzeichnet. Insgesamt hatten die Firmen früheren Angaben zufolge einen Schaden von rund 500 Mill. Euro geltend gemacht. Von dieser Summe sind noch 140 Mill. Euro vorhanden, die Heros in den letzten Tagen vor der Insolvenz von Kunden abgeholt hatte. Die Bundesbank hatte den Betrag sichergestellt; er wurde nicht mit der Insolvenzmasse vermischt.

Heros-Mitarbeiter dürfen hoffen

Heros war im Juni von dem US-Investor Matlin Patterson übernommen worden. Das Unternehmen wird unter dem Namen Securlog weitergeführt, allerdings in stark vermindertem Umfang. Von den 4 600 Heros-Arbeitsplätzen konnten nach Angaben des Insolvenzverwalters bislang 2 650 gesichert werden. Von den rund 850 Heros-Mitarbeitern, die in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft hätten wechseln müssen, seien bereits 300 zu Securlog zurückgekehrt. Das Ziel bei Securlog, 3 000 Mitarbeiter zu beschäftigen, solle schneller als erwartet erreicht werden.

Der Kauf der Heros-Gruppe durch den amerikanischen Finanzinvestor MatlinPatterson habe den operativen Geschäftsbetrieb gesichert und den wesentlichen Kundenstamm erhalten, betonte Rechtsanwalt Sack. Am Freitag, Dienstag und Mittwoch finden nach Angaben von Sack in Hannover Gläubigerversammlungen verschiedener Heros-Gesellschaften statt.

Die Staatsanwaltschaft Hannover beziffert den Gesamtschaden durch die Heros-Pleite auf etwa 350 Mill. Euro. Gegenwärtig werde gegen elf Manager oder Mitarbeiter des Unternehmens wegen Untreuedelikten ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe. Der ehemalige Heros-Inhaber Karl-Heinz Weis und drei weitere mutmaßliche Haupttäter befänden sich in Untersuchungshaft. Sie stünden im Verdacht, die Heros-Kunden um die 350 Mill. Euro geschädigt und einen Teil der Summe auf private Konten geleitet zu haben, sagte Knothe. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Heros-Führung den anderen Teil des Geldes nutzte, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Wie bei einem Schneeball-System sollen über Jahre hinweg Löcher in der Bilanz gestopft worden sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%