Insolvente Rennstrecke
Nürburgring geht an Autozulieferer Capricorn

Mittelständler schlägt internationale Investorengruppe: Der Nürburgring geht nicht wie erwartet an das Bieterkonsortium HIG Capital, sondern an den Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn. Der hat die Forschung im Sinn.
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KoblenzDer traditionsreiche Nürburgring will mit der Übernahme durch den Autozulieferer Capricorn nach der Insolvenz wieder voll durchstarten. Der Zuschlag für den Verkauf gehe an den Autoteile-Hersteller, wie die Sanierer des Rings am Dienstag in Koblenz mitteilten. Das Transaktionsvolumen des Verkaufs liegt nach Angaben von Ring-Sachwalter Jens Lieser bei mehr als 100 Millionen Euro. Es fließe ein Kaufpreis von 77 Millionen Euro, bis zu 25 Millionen sollen am und um den Ring investiert werden.

Damit ist die US-Investorengruppe HIG Capital aus dem Rennen, der zwischenzeitlich bessere Chancen eingeräumt worden waren. Der Kaufvertrag mit Capricorn ist allerdings erst gültig, wenn die EU-Kommission ihren Bescheid zur Prüfung möglicher illegaler Beihilfen vorlegt. Der Autoteile-Hersteller mit Sitz in Düsseldorf setzt in seinem Konzept auf den Motorsport. Er hat mehr als 350 Mitarbeiter - rund 100 davon arbeiten bereits in einem Werk am Nürburgring.

Das Konzept von Capricorn sei wegen eines neuen Ansatzes gewählt worden, sagte Lieser. Am Ring soll demnach ein Automobil-Technologieschwerpunkt entwickelt werden. Letztlich sei es eine knappe Entscheidung gewesen. Im Gläubigerausschuss sei hart gerungen worden. Der Abstimmungsbedarf sei größer als gedacht gewesen, die Entscheidung verzögerte sich am Dienstag stundenlang.

So will Capricorn das Erlebnisdorf „Grüne Hölle“ nahe der Rennstrecke schließen und die erst vor kurzem eingeweihte Achterbahn Ringracer stilllegen. „Sofort werden wir die "Grüne Hölle" einstellen - einen der großen Verlustbringer“, sagte Capricorn-Geschäftsführer Robertino Wild am Dienstag in Koblenz. Auf die Frage, was mit den Gebäuden in dem Freizeitpark am Ring geschehe, sagte er: „Höflich gesagt heißt das Rückbau.“ Stattdessen sei man in Gesprächen mit verschieden Forschungseinrichtungen, auch dem Fraunhofer-Institut. „Wir hoffen, das ein oder andere Institut an den Nürburgring locken zu können.“

Der Nürburgring musste im Jahr 2012 Insolvenz anmelden. Die SPD hatte in ihrer Zeit der Alleinregierung einen zu groß geratenen Freizeitpark für rund 330 Millionen Euro bauen lassen. Nach der Insolvenz musste auch Steuergeld in Millionenhöhe fließen. Das Land Rheinland-Pfalz will dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit weiter Zutritt zur Rennstrecke bekommt. Das Land ist Hauptgläubiger. Auch der schlagzeilenträchtige ADAC hatte ein Kaufangebot nur für die Rennstrecken abgegeben. Das war aber „geparkt“ worden, weil es zu niedrig ausfiel.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der verantwortliche ehemalige Landesvater, Herr Beck ist Cheflobbyist bei dem Pharma-Unternehmen Boehringer-Ingelheim. Der kurze Ausflug hat dem Steuerzahler einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet.

  • Der politisch Hauptverantwortliche tritt gelegentlich in Fernsehtalkshows auf und echauffiert sich über Steuerhinterzieher...

  • Mich würde interessieren, wieviel das ganze Debakel den Steuerzahler gekostet hat. Wer hat das zu verantworten ? Was machen die Verantwortlichen heute ?

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