Insolventes Geldtransportunternehmen: Heros hält Mitarbeiter fest

Insolventes Geldtransportunternehmen
Heros hält Mitarbeiter fest

Die Insolvenz des unter Betrugsverdacht stehenden Geldtransportunternehmens Heros führt zu Auseinandersetzungen zwischen Firmenleitung und Arbeitnehmern. Wie aus einem Schriftstück hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt, wird kündigungswilligen Arbeitnehmern der Ausstieg aus dem Unternehmen verwehrt.

DÜSSELDORF. „Nach Rücksprache mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter teile ich Ihnen mit, dass keine fristlose Kündigung eines Mitarbeiters akzeptiert wird“, heißt es in einem Heros-Schreiben.

Aus dem Umfeld der Firma verlautet, dass einige Arbeitnehmer von Heros zu Konkurrenzunternehmen wechseln wollen. „Heros übt massiv Druck auf diese Personen aus, auch per Telefon“, heißt es bei einer Konkurrenzfirma. Bei Heros wird das bestritten.

Die Heros-Gruppe hatte vor wenigen Tagen Insolvenz für ihre 27 Gesellschaften angemeldet. Hintergrund ist eine Betrugsaffäre in dreistelliger Millionenhöhe, in der die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft ermittelt. Heros hat nach Angaben des Branchenverbandes einen Marktanteil von rund 50 Prozent im deutschen Geldtransportgeschäft. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen Beschuldigte aus dem Firmenumkreis Kundengelder zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes und für private Zwecke veruntreut haben. Es geht um einen Schaden von rund 300 Millionen Euro. Vier Beschuldigte sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Das Unternehmen beschäftigt rund 5 000 Mitarbeiter. Wie aus einer ersten Stellungnahme des Hannoveraner Insolvenzverwalters Manuel Sack hervorgeht, erhalten sämtliche Mitarbeiter ihre Gehälter über eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes. „Damit ist die pünktliche Zahlung der Löhne für die Monate Februar bis einschließlich April gewährleistet. Es wurden bisher keinerlei Kündigungen ausgesprochen“, so Sack. Die Mitarbeiter würden zudem durch ein großes Team von Rechtsanwälten „aus allen Standorten unserer Kanzlei betreut und informiert“ und arbeitsrechtliche Fragen „in engem Kontakt mit den Betriebsräten und der zuständigen Gewerkschaft Verdi abgestimmt“. Trotzdem scheinen einige Mitarbeiter so schnell wie möglich einen neuen, sicheren Arbeitsplatz anzustreben und auf fristlose Kündigungen sowie Aufhebungsverträge zu setzen. „Es werden keine Aufhebungsverträge geschlossen. Ein Recht zur fristlosen Kündigung besteht für die Mitarbeiter nicht“, heißt es jedoch in dem Schreiben der Firmenleitung.

Verantwortlich dafür ist Kay Olaf Rekittke. Er wurde von Insolvenzverwalter Sack gemeinsam mit Oliver Seiter gebeten, „die Geschäftsleitung aller ehemaligen Securitas Gesellschaften in Vollmacht zu übernehmen“, wie es in einem weiteren Schreiben heißt, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Konzernsparte „Geld- und Wertdienste Deutschland“ von Securitas war von Heros aufgekauft worden. Auf Nachfrage wurde bei Heros in Düsseldorf die Existenz der Schreiben bestätigt. Darin habe man aber nur die momentane Rechtslage darstellen wollen, die fristlose Kündigungen ausschließe. „Wir werden keinem Wechselwilligen Steine in den Weg legen“, sagte ein führender Unternehmensmitarbeiter. Zugleich betonte er aber, dass es derzeit darum gehe, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Aus diesem Grund werde man fristlose Kündigungen vorerst nicht akzeptieren.

Ob das überhaupt zulässig ist, ist aber keineswegs sicher. Denn sollte sich herausstellen, dass die Insolvenz von Heros auf Straftaten des Arbeitgebers beruhen, könnte den Arbeitnehmer doch ein Recht zum sofortigen Ausstieg zustehen.

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