Insolvenz
Arcandor buhlt um Gunst der Gläubiger

Eine Aufspaltung des insolventen Arcandor-Konzerns rückt näher. Die führenden Gläubigerbanken des Essener Konzerns treiben den Verkauf von dessen 43,9-Prozent-Anteil am Reisekonzern Thomas Cook voran. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die allerdings alle nicht ganz einfach umzusetzen sind.

DÜSSELDORF. Der Zerschlagung des Pleitekonzerns Arcandor wird immer wahrscheinlicher. Die drei führenden Gläubigerbanken bereiten offenbar die Abspaltung ihres Anteils an der Reisesparte Thomas Cook vor. Erwogen werde sowohl eine Veräußerung der Aktien am Markt als auch ein außerbörslicher Verkauf sowie eine Kombination beider Maßnahmen, teilte die Royal Bank of Scotland (RBS) am Donnerstag mit. Arcandor hatte seinen Cook-Anteil als Aktienpaket für etwa 1,5 Mrd. Dollar an ein Bankenkonsortium verpfändet. Dazu gehören neben der RBS die BayernLB und die Commerzbank.

Thomas Cook schreibt als einziger Arcandor-Zweig noch schwarze Zahlen. Der Konzern hält gut die Hälfte an dem Reiseanbieter. Davon sind 43,9 Prozent an das Bankenkonsortium verpfändet. Weitere acht Prozent an der Arcandor-Reisesparte stehen den Gläubigern einer Umtauschanleihe zu, die der Konzern 2008 begeben hat.

Arcandor bemüht sich um die Gunst dieser Gruppe, denn am 10. August sollen die Gläubiger über einen gemeinsamen Verkauf mit dem verpfändeten Thomas-Cook-Paket entscheiden. Beobachter bezweifeln allerdings, dass die Bondholder einem Paket- statt einem Tranchenverkauf zustimmen.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bevorzugen einen Komplettverkauf, um einen insgesamt höheren Preis zu erzielen. Bankenkreise stehen einer Paketlösung ebenfalls positiv gegenüber, da sie letztlich allen Gläubigern zugute kommen würde.

Die Voraussetzung für einen solchen Verkauf solle mit der Gläubigerversammlung, zu der Arcandor am Frankfurter Flughafen geladen hat, vorbereitet werden, sagte ein Branchenkenner. Realistischerweise liege der Ball jetzt im Feld der Gläubiger und nicht beim Insolvenzverwalter. Das derzeitige Arcandor-Vorgehen bewertete er allerdings als wenig geschickt, vielmehr als „Elefant-im-Porzellan-Laden-Taktik“. Das Handelsunternehmen selbst nannte die Gläubigerversammlung eine reine Informationsveranstaltung.

„Sollten sich die Anleihegläubiger organisieren, findet der Paketverkauf nicht statt“, sagte eine mit dem Vorgang direkt vertraute Person. Schon jetzt kursierten diesbezüglich E–Mails unter den Bondholdern, heißt es. Zudem hat ein Teil der Gruppe in London inzwischen die Anwaltskanzlei Ashurst beauftragt, ihre Angelegenheit auf der Frankfurter Versammlung zu vertreten. „Die Anleiheeigner, die wir vertreten, sitzen vor allem in den USA und in London“, sagte Ashurst-Partner David von Saucken. Namen wollte er ebenso wenig nennen wie Arcandor. Saucken gab aber an, dass die Gruppe vorhabe, weitere Gläubiger mit ins Boot zu holen. Wenn die Bondholder den Beschluss ablehnten, könne es zudem sein, dass die BayernLB ihre Anteile in den Markt stößt, heißt es bei einer mit dem Vorgang vertrauten Person. Die Bank wollte dazu keine Stellung nehmen.

Neben dem Tourismus-Geschäft mit Thomas Cook gehört zu Arcandor die Versandhandelssparte aus Primondo und Quelle sowie das Warenhausgeschäft mit Karstadt. Drei Investmentbanken sollen Finanzkreisen zufolge in den nächsten Wochen auch die Möglichkeiten eines separaten Verkaufs der beiden anderen Handelssparten ausloten.

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