Insolvenz
Thomas Cook und Arcandor gehen getrennte Wege

Die gemeinsame Geschichte von Arcandor und Thomas Cook steht vor dem Aus. Die Gläubigerbanken des insolventen Arcandor-Konzerns versilberten am Donnerstag die verbliebene Beteiligung an Europas zweitgrößtem Reisekonzern für mehr als eine Milliarde Euro.

HB LONDON. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Übernahme der heutigen Thomas-Cook-Sparte Neckermann Reisen durch die jetzige Arcandor-Tochter Karstadt gehen der Handels- und der Touristikkonzern getrennte Wege. Insgesamt seien mehr als 376 Mio. Thomas-Cook-Aktien zu 240 britischen Pence das Stück platziert worden, teilte die BayernLB im Namen des Bankenkonsortiums am Donnerstag in London mit. Der Verkaufserlös belaufe sich damit auf umgerechnet 1,03 Mrd. Euro. An der Londoner Börse legten die Thomas-Cook-Aktien zeitweise um mehr als sechs Prozent zu. Zuletzt lagen sie mit 4,04 Prozent im Plus bei 254,90 Pence.

Mitte der 1970er Jahre hatte die Kaufhauskette Karstadt den Neckermann-Versand gekauft und damit auch dessen Reisesparte NUR Touristic (Neckermann und Reisen) übernommen. Diese hatte in den Jahren zuvor den Pauschaltourismus in Deutschland zum Massengeschäft gemacht. Ende der 1990er Jahre bringt die Lufthansa ihren Ferienflieger Condor in das Reiseunternehmen ein. Dieses heißt ab sofort C&N Touristic, und die Lufthansa hält 50 Prozent der Anteile.

Im Jahr 2001 kauft C&N den britischen Reiseveranstalter Thomas Cook und nimmt dessen Namen an. 2007 steigt die Lufthansa bei Thomas Cook aus, Condor geht in zwei Schritten an Thomas Cook über. Arcandor fusioniert den Reisekonzern mit der britischen MyTravel und hält dort knapp die Mehrheit der Anteile. Die Aktien der fusionierten Thomas Cook werden an der Londoner Börse notiert.

Der am Donnerstag platzierte Aktienanteil von 43,9 Prozent entspricht der BayernLB zufolge der kompletten Beteiligung, die Arcandor zuletzt an Thomas Cook hielt. Von dem Verkaufserlös dürfte Arcandor allerdings nichts sehen, denn der Konzern hatte seinerzeit den Anteil im Gegenzug für Milliardenkredite an seine wichtigsten Gläubiger wie Bayern LB, Commerzbank und Royal Bank of Scotland (RBS) verpfändet.

Die Arcandor AG hatte im Juni für sich und die meisten ihrer Töchter den Gang zum Insolvenzrichter angetreten, nachdem dringend benötigte Staatshilfen geplatzt waren. Thomas Cook blieb davon unberührt, verfügt der Reiseveranstalter doch über eine eigenständige Finanzierung. Im Zuge der Arcandor-Insolvenz kümmerte sich das Bankenkonsortium um die Verwertung des Anteils. Dabei wurde auch der Verkauf an einen Investor geprüft. Als Favorit galt lange Zeit die deutsche Rewe. Das Unternehmen ist mit Touristiktöchtern wie ITS und Tjaereborg die Nummer drei in Deutschland und hatte mehrfach Interesse an Thomas Cook bekundet.

Auch personell zieht sich Arcandor bei Thomas Cook zurück. Am Mittwochabend hatte der Reiseveranstalter mitgeteilt, dass nach erfolgreicher Platzierung des Aktienpaktes, der frühere Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick als Vorsitzender des Verwaltungsrats (Chairman) bei Thomas Cook zurücktreten wird.

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