Insolvenz von Air Berlin
Das Ende der Schokoherzen

Sie besänftigten noch die zornigsten Air-Berlin-Kunden: die Lindt-Schokoherzen. Mit der Pleite der Airline dürften auch die Süßigkeiten verschwinden – und der Schweizer Chocolatier einen Marketing-Kanal verlieren.
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HamburgDie Insolvenz von Air Berlin trifft auch einen wichtigen Zulieferer der Fluggesellschaft: Lindt. Der Chocolatier liefert seit zwei Jahren die Schokoherzen, die Stewards am Ende fast jeden Flugs verteilen. Dabei ist die Partnerschaft mit dem Schweizer Schokoladenkonzern bereits aus der Krise geboren.

Das Schokoherz, das zum Markenzeichen von Air Berlin geworden ist, stammt eigentlich von der Deutschland-Tochter von British Airways, DBA. In den 1990er-Jahren wollten sich die Briten von der etablierten Konkurrenz als freundlichere Airline absetzen – und verteilten Schokoladentäfelchen. Daraus entstand mit einem neuen Marken-Auftritt das Herz. Geliefert wurde es von der Berliner Schokoladenmanufaktur Rausch.

Zum Erfolg trug bei, dass das Herz eben nicht aus irgendeiner Billig-Schokolade bestand. Zunächst kamen die Kakaobohnen von der indonesischen Hauptinsel Java, bis die dortige Plantage abbrannte. Rausch stellte auf Kakao von der melanesischen Inselgruppe um, der ähnlich schmeckt.

Air Berlin übernahm das Herz, als die damals längst nicht mehr zu British Airways gehörige Fluglinie DBA im Jahr 2006 an die Berliner ging. Seitdem ist es rot statt grün – und ein wichtiger Bestandteil der Markenidentität des Lufthansa-Konkurrenten. Mancher Fluggast dürfte durch das kleine Präsent seine Sympathie für den ewigen Zweiten im deutschen Luftraum entdeckt haben.

Dennoch wechselte Air Berlin 2015 den Zulieferer. Im April 2015 lieferte Rausch die letzten Schokoherzen, danach kamen sie von Lindt. Kosten sollen dabei, so versicherte Air Berlin, nicht die Hauptrolle gespielt haben – obwohl bei 13 Millionen Herzen im Jahr einiges zusammen gekommen sein dürfte.

Mit Lindt vereinbarte Air Berlin eine breitere Marketing-Partnerschaft – fortan gab es in der Business-Klasse Lindor-Kugeln zum Kaffee, weitere Lindt-Produkte kamen in den Bord-Shop. Der Kakao-Anteil der Herzen sank allerdings leicht von 35 Prozent auf „mindestens 30 Prozent“, wie es hieß.

Schoko-Fabrikant Robert Rausch äußerte damals Verständnis: „Aufgrund der hohen Kosten von Edelkakao haben wir den Preis für unser Herzen zuletzt um einige Cents erhöhen müssen“, sagte er – und zu Air Berlin: „Die müssen auch sehen, wie sie mit ihren Geldern umgehen.“ Viel verdient habe das Unternehmen mit insgesamt 20 Millionen Euro Umsatz an dem Air-Berlin-Auftrag sowieso nicht. Größer dürfte der Werbe-Effekt sein.

Den verliert jetzt Lindt, das seine Herzen nach eigenen Angaben in Aachen – nahe dem Air-Berlin-Drehkreuz Düsseldorf – aus Schweizer Schokolade endverarbeitete. Auf Anfrage zu Air Berlin blieb das Unternehmen am Mittwoch wortkarg. Eine Sprecherin teilte lediglich mit: „Grundsätzlich behandelt Lindt & Sprüngli die Geschäftsbeziehungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vertraulich. Bitte haben Sie dafür Verständnis.“

Fluggäste müssten die Herzen jetzt direkt bei Lindt kaufen. Bei einem Internet-Anbieter gibt es beispielsweise 2,5 Kilogramm der Herzen – etwa 485 Stück – für 44,99 Euro. Bei dem Preis zeigte sich Air Berlin zuletzt knauserig: Auf den zuletzt eingeführten Langstreckenflügen gab es das Herz nur für die zahlungskräftigen Kunden der Business-Klasse.

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