Insolvenz von Schlecker
Totalschaden statt Turnaround

Charmeoffensive und Umbaupläne liefen ins Leere: Die Drogeriemarktkette Schlecker ist pleite. Die Mitarbeiter wurden von der Nachricht kalt erwischt. Viele Fragen bleiben offen, darunter: Was bedeutet das für Anton Schlecker persönlich?
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Ehingen/DüsseldorfDer schrittweise Abstieg eines einstigen Pioniers des deutschen Einzelhandels hat am Freitag seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die größte deutsche Drogeriemarkt-Kette, Schlecker, kündigte an, Antrag auf geplante Insolvenz zu stellen. Die im Jahr 2010 von Schlecker gestartete Umbau- und Sympathieoffensive brachte nicht rechtzeitig den erhofften Erfolg.

Die Geschichte von Schlecker las sich lange Jahre wie die eines erfolgsverwöhnten schwäbischen Familienunternehmens. Vom Vater in den Betrieb eingeführt, entwickelte Anton Schlecker den einstigen Fleischwarenbetrieb zum führenden Drogeriemarkt Deutschlands. Anton Schlecker sei es gewesen, lässt das Unternehmen die Öffentlichkeit wissen, der 1974 „die Chancen des damals noch jungen Discount-Marktes“ erkannt habe und nach einigen „Selbstbedienungs-Warenhäusern“ 1975 im schwäbischen Kirchheim/Teck seinen ersten Drogeriemarkt eröffnete.

Was folgte, war ein steiler Aufstieg - und der schrittweise Niedergang. 47.000 Mitarbeiter beschäftigt Schlecker, allein 35.000 davon in Deutschland. 10.000 Läden betrieb das Unternehmen zuletzt. Doch: Seit drei Jahren schreibt Schlecker Verluste, das räumte Junior-Chef Lars Schlecker schon im Mai vergangenen Jahres ein. Beim Umsatz könne die Kette bald von dem kleineren Konkurrenten dm überholt werden, gestand er damals ein. Noch zum Jahresende verkündeten die Schleckers zwar, das Unternehmen werde seinen Konzernumbau aus eigener Kraft meistern und 2012 „den Turnaround schaffen“, doch dieses Versprechen währte nur wenige Wochen.

Die Abkehr von den Turnaround-Plänen kam am Freitagmittag: „Schlecker wird über ein Plan-Insolvenzverfahren restrukturiert“, teilte das Unternehmen mit. Familie und Management seien „diesen schweren aber notwendigen Schritt gegangen“, um die viel beschworene Restrukturierung fort- und umzusetzen. Der Geschäftsbetrieb solle unverändert weiterlaufen, die Zahlung der Mitarbeitergehälter sei durch das Insolvenzausfall-Geld gesichert.

Es ist ein Tag der Scham für das krisengeschüttelte Unternehmen: Die Mitteilung von Schlecker lässt mehr Fragen offen, als sie beantwortet. Unklar ist zum Beispiel, ob Unternehmenspatriarch Anton Schlecker persönlich mit seinem Privatvermögen haften muss. Ein Sprecher wollte gegenüber Handelsblatt Online zu der Vermögenslage von Familienmitgliedern und zu Fragen der Haftung keine Stellung nehmen. Er bestätigte aber, dass es sich bei dem Unternehmen, für das die Planinsolvenz beantragt werden soll, um die Konzerngruppe handelt, die unter dem Namen Anton Schlecker e.K. eingetragen ist.

Die Abkürzung "e.K." steht für den "eingetragenen Kaufmann". Hinter Unternehmen dieser Rechtsform steht eine natürliche Person als Inhaber - laut Firmendatenbank Creditreform ist das Anton Schlecker. Allerdings wurden die Angaben zuletzt im Juni vergangenen Jahres aktualisiert. Sind die Angaben noch aktuell, muss der Patriarch mit seinem Privatvermögen einstehen.

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Mitarbeiter zittern um ihre Jobs

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  • Schlecker hat sich selbst zu Tode gewirtschaftet. Kleine, unansehnliche Geschäfte mit unzufriedenen Angestellten. Ein Sortiment, welches nicht die Breite eines Lebensmittelsupermarktes hat und nicht die Tiefe der Konkurrenten DM, Rossmann oder auch Müller. An den 3 Konkurrenten erkennt man aber, dass das Geschäftsmodell noch lange nicht tot ist. Wichtig ist dabei nur, dass man sich nicht zu 100 % auf das klassische Drogeriegeschäft verlässt. Müller ist für mich ein Paradebeispiel dafür wie man sich richtig diversifiziert. Bisher als Drogeriemarkt bekannt in ganz Deutschland, führt Müller seit einigen Jahren auch eine Offensive im Parfümeriemarkt und wird dort auch langsam dem Branchenprimus Douglas gefährlich (Anm. 10 % der Anteile an Douglas werden von Müller gehalten). Mittlerweile führt Müller über 300 hochwertige Parfümerien in Deutschland. Schlecker hat es meiner Meinung nach verschlafen, sich mehrere Standbeine zu schaffen. Nun geht ihnen die Puste aus. Auf einem Bein steht es sich nunmal schwieriger :).

  • Wo bleibt der Schlecker Rettungsschirm?

  • Schleckers XXL war bereits in Anbetracht des "business by no Image" totgeboren und hatte weiter Geld verbrannt.

    Man betrachte Luxusliner, die Schnäppchenjäger transportieren, als untergangsgeweiht.

    Preiswert kann teuer werden.

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