Insolvenz vorerst abgewendet
Air Canada erhält neuen Auftrieb

Air Canada hat die Chancen erheblich verbessert, nicht erneut in ein Insolvenzverfahren zu schlittern. Die kriselnde Airline einigte sich mit allen beteiligten Gewerkschaften darauf, erheblich die Kosten zu senken. Der Konzern kann nun Pensionsfonds-Zahlungen zurückstellen und sich um neue Finanzmittel bemühen. Andernfalls hätte die zweite Insolvenz binnen sechs Jahren gedroht.

OTTAWA. "Der erfolgreiche Abschluss des Ratifizierungsprozesses ist ein Meilenstein, um die Stabilität zu erreichen, die notwendig ist, um durch diese schwierige Phase zu kommen", sagte Air Canadas Präsident Calin Rovinescu . Rovinescu sieht aber noch "viele Hürden", bis die Liquidität gesichert und die Fluggesellschaft wieder profitabel ist.

Die Rezession und der Rückgang der Fluggastzahlen belasten Air Canada, Gründungsmitglied des Flugverbandes Star Alliance und ein wichtiger Partner der Lufthansa. Mit seiner Flotte von 334 Flugzeugen, von denen ein Großteil erst in den vergangenen Jahren angeschafft wurde, ist sie weltweit die 14. größte Fluggesellschaft. Die Erneuerung der Flotte war aber teuer. Air Canada hatte Ende des ersten Quartals 2009 Netto-Schulden von 6,8 Mrd. kanadischen Dollar (4,3 Mrd. Euro).

Nach den gesetzlichen Regelungen hätte Air Canada in diesem Jahr schätzungsweise 570 Mio. Dollar in den Pensionsfonds einzahlen müssen. Die Gewerkschaft akzeptiert, dass Air Canada seine Zahlungen reduziert. "Air Canada wäre nicht in der Lage, die gesetzlich geforderten Zahlungen zu leisten", sagt David Tyerman, Analyst von Genuity Capital Markets in Toronto. Nach seinen Berechnungen spart das Unternehmen allein in diesem Jahr 315 Mio. und im kommenden Jahr 350 Mio. Dollar.

Das Ja der Gewerkschaft war notwendig, damit die Bundesregierung der Aussetzung der Zahlung zustimmt und Air Canada zehn statt bisher fünf Jahre Zeit gibt, das Defizit auszugleichen. Es ist zudem die Bedingung dafür, dass sich Geldgeber bereitfinden, der Fluggesellschaft neue Liquidität zuzuführen. Air Canada, dessen Barrücklagen Ende März bei einer Mrd. Dollar lagen, benötigt nach eigenen Angaben mindestens 600 Mio. Dollar an frischem Kapital. Tyerman schätzt, dass der Kapitalbedarf eher bei einer Mrd. Dollar liegt. Als Geldgeber kommen die Regierung, die Air Canada-Holdinggesellschaft ACE, das Loyalitätsprogramm Aeroplan und Finanzinstitute in Frage.

Noch ist aber unsicher, ob die zweite Insolvenz binnen sechs Jahren endgültig abgewendet ist. "Ohne die Vereinbarung mit den Gewerkschaften wäre die Insolvenz aber fast sicher gewesen", heißt es in Analystenkreisen. Entscheidend wird nach Ansicht der Experten die Entwicklung der Passagierzahlen sein. Im ersten Quartal gingen die Einnahmen aus dem Passagierverkehr gegenüber dem Vorjahresquartal um 300 Mio. Dollar oder 13 Prozent auf zwei Mrd. Dollar zurück.

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