Insolvenzantrag
Der seltsame Verkauf der Otto-Tochter TS24

2009 verschenkte der Otto-Konzern seinen Reparaturservice und gab einen hohen Millionenbetrag dazu. Nun ist das Geld weg, TS24 hat Insolvenzantrag gestellt. Die Käufer von Elbe Partners sehen keine Schuld bei sich.
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HamburgEs war ein Vertrag wie unter Freunden. Die Bedingungen, die der Unternehmensberater Ulrich Wlecke 2010 mit der Technik Service 24 GmbH & Co KG (TS24) vereinbarte, lasen sich sehr angenehm. Seine Arbeitszeit war unbestimmt und frei einteilbar, sein Arbeitsort offen. Wenn Wlecke nebenbei andere Tätigkeiten übernehmen wollte, durfte er. Seine Vergütung wurde mit monatlich knapp 20.000 Euro veranschlagt, zuzüglich Umsatzsteuer.

„Wlecke ist ein guter Mann“, sagt TS24-Geschäftsführer Ramin Ghalibaf, der den Vertrag mit Wlecke unterschrieb. Ghalibaf muss das wissen. Er und Wlecke sind beide Gesellschafter der Industrie-Holding Elbe Partners. Sie ist die Muttergesellschaft von TS24.

Die Geschichte der TS24 hat etwas Skurriles. Der Reparaturservice mit 380 Mitarbeitern machte dem Otto-Konzern keine Freude. Die Umsätze waren stark rückläufig, das Ergebnis rot. Im Geschäftsjahr 2008/09 liefen bei 26 Millionen Euro Umsatz 1,1 Millionen Euro Verlust auf. Doch statt das Problem zu lösen, wurde es entsorgt.

„Die Elbe Partners Industries AG hat zum 1. Juli die auf technische Kundendienste für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik spezialisierte TS24 erworben“, teilten Elbe Partners und Otto 2009 mit. Elbe sei für TS24 der „ideale Partner“. Für Elbe Partners war vor allem der Preis ideal: ein Euro. Otto stattete TS24 mit fünf Millionen Euro aus, gab in derselben Höhe Darlehen und verzichtete auf Forderungen von zwölf Millionen Euro. Eine Otto-Sprecherin sagt heute: „Dem Käufer wurde damals ein gut aufgestelltes und bilanziell gesundes Unternehmen übergeben.“

Von dieser Großzügigkeit profitierten die Käufer. Elbe-Gründer Ghalibaf zog in die TS24-Geschäftsführung ein und ließ sich seine Tätigkeit mit rund 20.000 Euro je Monat vergüten. Er wohnte auf Firmenkosten in einem Hotel und bekam Bahnfahrten und Flüge nach Hamburg erstattet. Dann verpflichtete Ghalibaf als Berater seinen Geschäftspartner Wlecke - für die erwähnten knapp 20.000 Euro pro Monat. Die Elbe-Manager Claus-Ascan Jencquel und Nico Reimers wurden Beiräte - für einen Jahresbetrag von je 12.000 Euro plus 1000 Euro Sitzungsgeld plus Spesen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Ghalibaf: „Das ist alles völlig üblich.“

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Jeder vierte Arbeitsplatz wurde gestrichen

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  • siehe auch folgenden linkhttp://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/reparaturdienst-ex-otto-tochter-ts24-wird-zerschlagen/6844690.html

  • Das einzige was die Mitarbeiter wissen ist das dieTs 24 geschlossen wird zum 01.08.12 da noch kein Sozialplan steht bzw. stand.
    Jetzt müsste der Sozialplan stehen und den Mitarbeitern werden wohl diese Woche ihre Kündigungen erhalten.
    RTS wird wohl darauf bestehen dass die Mitarbeiter noch durch den Insolvenzverwalter gekündigt werden um allen Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen
    RTS der Käufer von Profectis wird dann die Firma (einige wenige Mitarbeiter) übernehmen.
    Das heißt so sieht es für mich aus das die Mitarbeiter wohl nicht mehr an das Geld ihrer geleisteten Arbeit kommen werden.
    Hätte die Firma so wie es die Betriebsvereinbarung vorgesehen hat schon ab September den Mitarbeitern ihre Überstunden ausgezahlt hätte die Firma da schon den Finger heben müssen.
    Statt dessen sollten die überstundend an ab März prozentual ausgezahlt werden man beachte das aber im Februar dann der Finger gehoben wurde.
    Ach ich vergas das der Herr Brehm ja von Profectis kam und zur Bedingung dafür das er Ts 24 führen würde ein Auto zur Bedingungen hatte (kein Auto von der Stange), auch wurde Herr Brehm öfters vor der Insolvenz bei profectis gesehen.
    Stand oder steht Herr Brehm auf der gehaltsliste bei profectis oder der RTS gruppe und wollte man das Ts 24 untergeht wir werden es sehen ob er dort wieder auftaucht.
    Schade um die guten Leute die ihre Arbeit verlieren durch die schlechte Geschäftsführung

  • Für die ehemaligen Otto & Hermes-Mitarbeiter, die ihr Herzblut in dieses Projelt steckten, tut mir es mir sehr leid. Seit zehn Jahren blicke ich für Vertragspartner der Otto Gruppe hinter die Kulissen des Otto-Konzerns. 2007 kam dann auch noch der Hermes-Skandal hinzu.

    Es ist erschreckend, was himter den Kulissen von versagenden Managern dieses Konzerns angerichtet wurde.

    Ich verstehe bis heute nicht, dass Dr. Otto den falschen Managern vertraut!

    Silvia Tito

    http://hermessubunternehmer.wordpress.com

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