Insolvenzantrag gestellt
Aero Flight ist pleite

Die deutsche Ferienfluggesellschaft Aero Flight ist pleite. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat die Geschäftsführung ihre Belegschaft bereits am Mittwoch entsprechend informiert und anschließend Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bad Homburg gestellt. Ein Aero-Flight-Sprecher bestätigte die Informationen.

DÜSSELDORF. Gut 300 Mitarbeiter in Oberursel bei Frankfurt sowie sechs Airbus-Jets des Unternehmens wurden seit 1. November am Boden gehalten, weil das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig die zeitlich befristete Fluglizenz aus wirtschaftlichen Gründen nicht verlängerte. Zwar gab es diverse Anläufe, die Betriebsgenehmigung über neue Investoren schnell wieder zu erhalten. Eine geplante Übernahme durch den isländischen Luftfahrtkonzern Avion Group scheiterte jedoch in der Vorwoche an den Forderungen der Altgesellschafter.

Aero Flight wurde vor 18 Monaten als Nachfolgerin der bankrotten Traditionsfirma Aero Lloyd mit 22 Mill. Euro Kapital an den Start geschickt. Insolvenzverwalter Gerhard Walter und Aero-Lloyd-Altgesellschafter Bogomir Gradisnik übernahmen je 45 Prozent der Anteile. Die Firma flog im Auftrag deutscher Reiseveranstalter, ohne die erfolgreichen Billigflug-Konzepte der Konkurrenz zu kopieren. Das Festhalten am reinen Charter-Modell galt als hoch riskant, weil zuvor schon Aero Lloyd an der Abhängigkeit der Reisekonzerne gescheitert war. Im geschäftsschwachen Winter haben die Branchenführer schon Mühe, ihre eigenen Ferienflieger Hapagfly (Tui) und Condor (Thomas Cook) zu füllen.

Erst kürzlich war die in der Branche unbekannte Investorengruppe CS Ltd. als neuer Eigner eingestiegen. Deren Pläne blieben bis zuletzt unklar. Angesichts der Überkapazitäten in der gesamten europäischen Luftfahrt rechnen Branchenexperten schon seit längerem mit dem Niedergang kleinerer Fluggesellschaften. Ein Wiederaufleben von Aero Flight gilt in der Branche als sehr unwahrscheinlich.

Von dem Betriebsstopp Anfang November waren mehrere tausend Urlauber betroffen, der Großteil beim Reisekonzern Thomas Cook und dessen Veranstalter Neckermann. Die Reiseveranstalter buchten ihre Fluggäste kurzfristig auf andere Anbieter um. Für die Wintersaison hatten Reiseveranstalter kaum noch Kontingente bei Aero Flight reservieren lassen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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