Insolvenzantrag
Versand-Ikone Neckermann ist pleite

Nach der Quelle-Pleite steht nun auch Neckermann.de vor dem Aus. Der Versandhändler hat erst spät voll auf das Internet-Geschäft gesetzt - wohl zu spät. 2.400 Jobs sind nun gefährdet.
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Frankfurt/MainDer Versandhändler Neckermann.de, der heute nach Otto Deutschlands zweitgrößter Universalversender und der viertgrößte Europas ist, steht offenbar vor dem Aus. Das Unternehmen mit seinen bundesweit rund 2.400 Arbeitsplätzen stellte am Mittwoch Insolvenzantrag, wie Neckermann.de in Frankfurt mitteilte. Neckermann-Reisen.de ist davon nicht betroffen, die Sparte gehört inzwischen zum Thomas Cook-Konzern. Konkret betroffen, das sagte eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt-Online, sind die Neckermann.de-GmbH sowie die Neckermann-Logistik-GmbH.

Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen. „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in seiner bestehenden Form damit nicht fortgeführt werden“, teilte das Unternehmen mit.

Geplant war, den Eigenhandel mit Textilien einzustellen und das Frankfurter Zentrallager aufzugeben. Dem Umbau sollten 1380 Stellen zum Opfer fallen. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden. Im wochenlangen Ringen hatten sich Management und die Gewerkschaft Verdi zwar in letzter Minute auf eine Lösung geeinigt, wie beide Seiten mitteilten: Sozialplan, Abfindungen in begrenztem Umfang und eine Transfergesellschaft. Sun Capital halte das Ergebnis aber nicht für tragfähig.

Kündigungsschutzklagen gelten auch als ein Grund für den endgültigen Zusammenbruch des Drogeriekonzerns Schleckers; insgesamt verloren 25.000 Mitarbeiter ihren Job bei der Pleite.

Auch beim Warenhaus-Konzern Karstadt ist die Lage angespannt. Das Unternehmen will 2.000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Neckermann.de gehört zu den größten Online-Versandhändlern in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1950 in Frankfurt am Main als Neckermann Versand KG gegründet. 1995 startete es mit einem eigenen Online-Shop. Inzwischen erwirtschaftet Neckermann.de nach eigenen Angaben fast 80 Prozent seines Umsatzes über das Internet.

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Die Ursprünge des Versandhändlers

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  • Hallo´
    hab gehört das Neckermann pleite ist hab noch ein paar Raten zu bezahlen und wieß nicht wie ich in mein Kundenkonto rein kann.
    Wer kann mir näheres sagen

  • Wer nicht dabei war, so wie ich über 24 Jahre sollte hier nicht von überzogenen Forderungen sprechen.
    Ich hätte eine Abfindung in Höhe von ca. 6125 Euro bekommen. Ich finde diese Forderung nicht überzogen oder nicht angemessen. 24 Jahre habe ich diesem Unternehmen die Treue gehalten und mir hat mein Job Spass gemacht. Ich weiss sehr wohl das viele Fehler in den letzten Jahren hier geschehen sind und vielleicht wäre einiges anders gelaufen, wenn die GF zur rechten Zeit mal auf ihre MA gehört hätte. Hier sollte vielleicht mal ein Mitspracherecht für MA eingeräumt werden.

  • Es ist sicher Zufall, daß ein CEO von Sun-Capital auch Direktor des Berliner BERGGRUEN-Museum ist; Karstadt läßt grüßen cui bono und habe ich erst weitere europäische Versand-Unternehmen erfolgreich vom Markt gekickt , sollte Europa absatzmäßig endlich zu erschließen sein?
    infowelt

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