Insolvenzantrag

Versand-Ikone Neckermann ist pleite

Nach der Quelle-Pleite steht nun auch Neckermann.de vor dem Aus. Der Versandhändler hat erst spät voll auf das Internet-Geschäft gesetzt - wohl zu spät. 2.400 Jobs sind nun gefährdet.
Update: 18.07.2012 - 16:39 Uhr 17 Kommentare

Neckermanns Kampf beginnt jetzt

Frankfurt/MainDer Versandhändler Neckermann.de, der heute nach Otto Deutschlands zweitgrößter Universalversender und der viertgrößte Europas ist, steht offenbar vor dem Aus. Das Unternehmen mit seinen bundesweit rund 2.400 Arbeitsplätzen stellte am Mittwoch Insolvenzantrag, wie Neckermann.de in Frankfurt mitteilte. Neckermann-Reisen.de ist davon nicht betroffen, die Sparte gehört inzwischen zum Thomas Cook-Konzern. Konkret betroffen, das sagte eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt-Online, sind die Neckermann.de-GmbH sowie die Neckermann-Logistik-GmbH.

Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen. „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in seiner bestehenden Form damit nicht fortgeführt werden“, teilte das Unternehmen mit.

Geplant war, den Eigenhandel mit Textilien einzustellen und das Frankfurter Zentrallager aufzugeben. Dem Umbau sollten 1380 Stellen zum Opfer fallen. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden. Im wochenlangen Ringen hatten sich Management und die Gewerkschaft Verdi zwar in letzter Minute auf eine Lösung geeinigt, wie beide Seiten mitteilten: Sozialplan, Abfindungen in begrenztem Umfang und eine Transfergesellschaft. Sun Capital halte das Ergebnis aber nicht für tragfähig.

Kündigungsschutzklagen gelten auch als ein Grund für den endgültigen Zusammenbruch des Drogeriekonzerns Schleckers; insgesamt verloren 25.000 Mitarbeiter ihren Job bei der Pleite.

Auch beim Warenhaus-Konzern Karstadt ist die Lage angespannt. Das Unternehmen will 2.000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Neckermann.de gehört zu den größten Online-Versandhändlern in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1950 in Frankfurt am Main als Neckermann Versand KG gegründet. 1995 startete es mit einem eigenen Online-Shop. Inzwischen erwirtschaftet Neckermann.de nach eigenen Angaben fast 80 Prozent seines Umsatzes über das Internet.

Die Ursprünge des Versandhändlers
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17 Kommentare zu "Insolvenzantrag: Versand-Ikone Neckermann ist pleite"

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  • Hallo´
    hab gehört das Neckermann pleite ist hab noch ein paar Raten zu bezahlen und wieß nicht wie ich in mein Kundenkonto rein kann.
    Wer kann mir näheres sagen

  • Wer nicht dabei war, so wie ich über 24 Jahre sollte hier nicht von überzogenen Forderungen sprechen.
    Ich hätte eine Abfindung in Höhe von ca. 6125 Euro bekommen. Ich finde diese Forderung nicht überzogen oder nicht angemessen. 24 Jahre habe ich diesem Unternehmen die Treue gehalten und mir hat mein Job Spass gemacht. Ich weiss sehr wohl das viele Fehler in den letzten Jahren hier geschehen sind und vielleicht wäre einiges anders gelaufen, wenn die GF zur rechten Zeit mal auf ihre MA gehört hätte. Hier sollte vielleicht mal ein Mitspracherecht für MA eingeräumt werden.

  • Es ist sicher Zufall, daß ein CEO von Sun-Capital auch Direktor des Berliner BERGGRUEN-Museum ist; Karstadt läßt grüßen cui bono und habe ich erst weitere europäische Versand-Unternehmen erfolgreich vom Markt gekickt , sollte Europa absatzmäßig endlich zu erschließen sein?
    infowelt

  • @Lebemann
    Auch Otto bietet Ratenzahlungen an. Über die hauseigene Bank. Und das Inkasso säumiger Zahler wird ebenfalls konzernintern abgewickelt. Vermutlich ist das auch der entscheidende Vorteil gegenüber Neckermann.

    Denn am Sortiment kann's IMHO nicht gelegen haben. Da haben sich die beiden Unternehmen nicht wirklich voneinander unterschieden. Zumindest was meinen eigenen trivialen Bedarf angeht.

    Nachdem ich letztes Jahr eine Weile bei Otto im Einsatz war, wollte ich für mein dort erzieltes Honorar natürlich auch dort was kaufen. Hat aber nie geklappt. Weil Otto selbst als bevorzugte Adresse bei der Produktsuche viel zu oft passen muß, selbst bei Trivialbedarf wie Unterwäsche, Handtüchern oder ähnlichem. Wer da als Verbraucher keine Kompromisse eingeht, wird einfach nicht fündig.

    Einmal hätte ich's trotzdem fast geschafft. Artikelbeschreibung verkündet "Auf Lager"! Weiter hinten im Bestellvorgang dann die kleinlaute Beichte: "Lieferbar in 1-2 Wochen"...

    Hab' ich dann, Gast bei den Ottonen, zähneknirschend AUCH bei Amazon gekauft...

  • Danke, dass hier mal jemand versteht, wie der Markt funktioniert!

  • Da Neckermann genausowenig systemrelevant ist wie Quelle scheiden staatliche Hilfen von vornherein aus.

  • Was mich etwas wundert, ist, dass weder in der Berichterstattung noch hier in den Kommentaren die Frage auftaucht, wer neckermann.de in den vergangenen Jahren maßgeblich leitete. Ein Geschäftsführer, der direkt von Quelle kam, seinen Bereichsleiter eCommerce hinterhergezogen hat, der wiederum weitere "Kompetenzträger" mit nach Frankfurt brachte. Nachdem was diese Herrschaften bei Quelle hingelegt haben, ist doch wirklich nicht verwunderlich, dass neckermann.de heute in dieser Situation ist - bleibt abzuwarten, in welchen Führungsetagen diese Leute das nächste Unheil anrichten dürfen - ein ansehnliches Netzwerk scheint heute jedweder Kompetenz überlegen zu sein ....

  • Man sollte mal lieber hinterfragen wieviel Einfluss eine Gewerkschaft haben sollte. Diese hat ein neg. Klärung massiv verschuldet und ich kann es nicht mehr hören - sozial, sozial, sozial. Ein cleverer AN merkt, wenn es seinem U nicht gut geht und wird seine Konsequenzen daraus ziehen - nämlich den AG zu wechseln. Und 2. ist das Kündigungsschutzgesetz nicht wettbewerbsfähig - der liebe Staat sollte schnellstens eine Novellierung vornehmen um die Deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
    @babsack69: Würden Sie Ihr Geld in ein Fass ohne Boden werfen und freiwillig vernichten? Sie sollten mal darüber nachdenken warum man mit Gewerkschaften nicht restrukturieren kann. Mit welcher Berechtigung muss ein U. Abfindungen zahlen, wenn es kurz vor der Insolvenz steht? Es hätte zwar 1.380 Arbeitsplätze abgeschafft aber auch 1.000 erhalten, davon spricht aber keiner. So fallen im schlimmsten Fall 2.400 Arbeitsplätze weg, danke Gewerkschaft! Und wäre Sun Capital nicht als Investor aufgetreten wäre Neckermann schon einige jahre früher insolvent.

  • ... und am Ende sind wir alle prekär beschäftigte Leiharbeiter - Geld regiert und die Produktionsschafe schlafen weiter!

  • @Lebemann
    gebe Ihnen vollkommen Recht. Aber leider ist unser gesamte Gesellschaft und das Wirtschaftssystem mittlerweile vom Kauf auf Pump abhängig. Schauen Sie mal, wie viel Konsumprodukte vom Handy, über Einrichtung bis zum Auto und sogar der Urlaub auf pump gekauft werden.
    Würden sich die Leute diese Dinge erst leisten, wenn sie das Geld angespart hätten, würde die Wirtschaft total einbrechen. Langfristig wäre das System jedoch wesentlich stabiler.
    Die Mentalität, vieler Leute, die sich eingebürgert hat, die Dinge sofort zu wollen, können Sie vermutlich auch nicht mehr ändern.
    Abschaffung von Kauf auf Pump würde ev. sogar soziale Unruhen und steigende Kriminalität auslösen.

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