Insolvenzgefahr
So leiden Urlauber unter Airline-Pleiten

Immer mehr Airlines geraten ins Straucheln und gehen pleite - die Kunden bleiben dabei auf ihren Kosten sitzen. Verbände wollen sich nun für eine Versicherung für Passagiere bei Pleiten von Fluggesellschaften einsetzen.
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DüsseldorfAls Fluggäste der Arabia Air Egypt vor einigen Tagen in Hurghada stehen gelassen wurden, liefen die Telefone in manchen deutschen Reisebüros heiß. Ob die Airline pleite sei, wollten Reisende wissen. Am Abend folgte die Entwarnung: Die Maschine war lediglich hoffnungslos überbucht gewesen.

Die Nerven vieler Urlauber liegen in diesem Sommer blank. Denn Verdrängungswettbewerb am Himmel und überbordende Kerosinpreise bringen immer mehr Airlines ins Trudeln - mit möglicherweise gravierenden Auswirkungen für Urlauber, die bereits eine Reise gebucht haben.

Selbst das Vertrauen in die deutsche Air Berlin schwindet. Die Ratingagentur Scope bewertet den Lufthansa-Konkurrenten inzwischen nur noch mit der Note "CCC-", was sie in ihrer Analyse mit "sehr hohes Ausfallrisiko" übersetzt. Von dem 255 Millionen Dollar schweren Kredit, den Großaktionär Etihad Ende 2011 ins Unternehmen pumpte, sind nur noch 55 Millionen übrig.

Wie gefährdet selbst Große in der Flugbranche sind, zeigte Ende 2011 die Pleite von American Airlines. Im Februar 2012 stellte dann die ungarische Ex-Staatsgesellschaft Malév ihren Dienst ein und machte 700 000 Fluggäste zu Opfern ihrer Insolvenz.

Wenige Tage zuvor strauchelte der deutsche Regionalflieger Cirrus Airways. Und stets liefen die Passagiere ihrem angezahlten Geld hinterher. Beim spanischen Ferienflieger Spanair, bei dem im Januar die Lichter ausgingen, sollen 22 000 Fluggäste betroffen sein. Ihr Geld erhielten sie bis heute nicht zurück.

Vor wenigen Tagen schaltete sich deshalb der europäische Reisebüroverband ECTAA ein und forderte eine Versicherung für Passagiere. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", warnte Generalsekretär Michel de Blust. In den letzten zehn Jahren seien zwei Millionen Europäer auf insgesamt 1,6 Milliarden Euro Ticketkosten sitzen geblieben.

Auch Reiserechtler wie der Kemptener Professor Ernst Führich schlagen Alarm. "Es ist ein Skandal", sagte er dem Handelsblatt, "dass Individualreisende viel schlechter geschützt sind als Pauschaltouristen." Denn Fakt ist: Laut einer EU-Richtlinie erhalten im Pleitefall nur Pauschaltouristen ihre Anzahlung sowie die Kosten des Heimtransports vom Urlaubsort erstattet.

Davon sind Nur-Flug-Touristen meilenweit entfernt. Erklärt ihre Airline die Insolvenz, werden die gewöhnlich weit im Voraus bezahlten Flugscheine faktisch wertlos. Rückzahlungen gibt es dann nur noch in Höhe der Insolvenzquote, die nicht selten weniger als fünf Prozent der Forderungen abdeckt.

Dass das Risiko für die Flugreisenden längst zu hoch ist, bestätigen nun auch die Verbraucherzentralen. "Wir fordern den gleichen Insolvenzschutz wie bei Pauschalreisen", sagt Bettina Dittrich von der Verbraucherzentrale Sachsen.

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