Insolvenzverfahren
Arcandor-Chef droht heute das Aus

Das Amtsgericht Essen wird heute im Laufe des Tages über sämtliche dort eingereichte Insolvenzanträge des Arcandor-Konzerns entscheiden, sagte am Montag ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Als sicher gilt dagegen das Aus für Vorstandschef Karl-Gerhard Eick – doch ansonsten gibt es bei dem drittgrößten Insolvenzfall in der Geschichte der Bundesrepublik einiges zu klären.

DÜSSELDORF. Insgesamt handele es sich am Stammsitz des Handelsunternehmens um nicht weniger als 40 Firmen, teilte das Gericht mit. Der am 9. Juni in die Pleite gerutschte MDax-Konzern ist mit 45 000 betroffenen Mitarbeitern der nach AEG und Coop drittgrößte Insolvenzfall in der Geschichte der Bundesrepublik. Entsprechend werden sich in Essen gleich drei Richter mit dem Fall beschäftigen. Die Konzernholding Arcandor AG wird dabei von der Amtsrichterin Gauri Sastry betreut, die Karstadt Warenhaus GmbH fällt in die Zuständigkeit ihres Kollegen Arnd Koppenborg, der Fall Quelle geht an Marc Deutschbein.

Als eröffnet gilt das Verfahren, sobald eine Bekanntmachung vorliegt. Informieren will die Pressestelle des Amtsgerichts darüber heute im Internet. Für das Inkrafttreten des Insolvenzverfahrens ist es – anders als bei üblichen Verfahren – bedeutungslos, zu welchem Zeitpunkt das Gericht den Beschluss dem Schuldner Arcandor zustellt.

Insider gehen davon aus, dass der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg dem Konzern auch nach der Eröffnung des Verfahrens erhalten bleibt – zumindest bei der Verwaltung der Hauptgesellschaften. Mehrere kleinere Untergesellschaften der Konzerntochter Quelle werden allerdings inzwischen bei den Gerichten Fürth und Nürnberg geführt, weil sie dort den „Mittelpunkt ihrer selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit“ besitzen. Dort hatten die Richter als Insolvenzverwalter den Nürnberger Anwalt Henning Schorisch eingesetzt.

Weil mit der Eröffnung der Insolvenzverfahren die Holdinggesellschaft Arcandor AG in die Liquidation geht, wird voraussichtlich heute noch der Vorstand seinen Rücktritt erklären. Auch zahlreiche der 94 Holdingmitarbeiter werden die Kündigung erhalten. Allein Versandvorstand Marc Sommer und Warenhauschef Stefan Herzberg, die den Verkaufsprozess für die Konzerntöchter Quelle/Primondo und Karstadt begleiten sollen, werden wohl noch einige Zeit ihre Arbeit fortsetzen. Für ihre berufliche Zukunft wird entscheidend sein, welcher Investor die Konzerntöchter am Ende übernimmt.

Als sicher gilt dagegen das Aus für Vorstandschef Karl-Gerhard Eick. Der ehemalige Telekom-Finanzchef war vom Großaktionär Sal. Oppenheim Anfang März an die Konzernspitze geholt worden, um den Konzern in aussichtsloser Lage zu retten. Doch der Feuerwehreinsatz wurde zum Misserfolg. Zunächst schaffte es Eick nicht, die Banken von seinem Sanierungskonzept zu überzeugen. Auch der Bundeswirtschaftsminister winkte ab, als Eick ihn um eine umfangreiche Staatsbürgschaft bat. Zwei Tage vor dem Auslaufen der Kreditlinien beantragte Eick daraufhin das Insolvenzverfahren wegen drohender Zahlungsunfähigkeit.

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