Insolvenzverfahren
Post-Mitarbeitern droht Entlassung wegen Arcandor

Der Deutschen Post als größtem Logistikpartner der Arcandor-Tochter Primondo setzt die Pleite des Handelskonzerns zu. Tausende Beschäftigte der Logistik- und Expresstochter DHL müssen um ihren Arbeitsplatz bangen, weil der vorläufige Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg harte Einschnitte bei dem wichtigen Post-Kunden angekündigt hat. Derweil gibt es acht Kauf-Interessenten für Primondo.

ESSEN/DÜSSELDORF. „Wir sind besorgt um die Zukunft unserer Mitarbeiter“, sagte ein DHL-Sprecher. Grund hiefür ist der Plan von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, 3 700 der 10 500 Stellen bei der Sparte Primondo zu streichen, zu der unter anderem der Versandhändler Quelle gehört. Zudem will der Kölner Rechtsanwalt die 109 Quelle-Technikcenter schließen und auch gut ein Drittel der 1 450 Quelle-Shops. Sein Ziel ist es, das Unternehmen für mögliche Käufer attraktiv zu machen.

Die Deutsche Post wird direkt von den eingeleiteten Sparmaßnahmen getroffen. Im Gegensatz zu den Kollegen aus der Briefsparte gilt für die DHL-Angestellten kein Beschäftigungspakt, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Über 3 000 DHL-Beschäftigte arbeiten in der Logistik direkt für Arcandor, beispielsweise in der Lagerhaltung im westfälischen Verteilzentrum Unna. In der Briefsparte sind etwa 1 000 Arbeitsplätze von Zustell-Aufträgen abhängig, wie zum Beispiel dem Versand von Katalogen.

Die Insolvenz von Arcandor hat sich bereits negativ in der Halbjahresbilanz 2009 der Post niedergeschlagen. Das Minus durch Forderungsausfälle belief sich auf rund 40 Mio. Euro. Zu den aktuellen Zahlen wollte der Post-Sprecher keine Angaben machen. Nach älteren Angaben beläuft sich allein der Umsatz in der Logistik mit Arcandor auf 500 Mio. Euro. Der Gesamtumsatz mit dem Handelskonzern wird auf knapp eine Mrd. Euro geschätzt.

Die Post hatte Mitte 2005 große Teile der Karstadt-Quelle-Konzernlogistik für 200 Mio. Euro inklusive der 3 600 Mitarbeiter übernommen. Der Essener Gesamtkonzern Arcandor, zu dem neben Primondo auch die Warenhauskette Karstadt und das Reiseunternehmen Thomas Cook gehören, hatte Anfang Juni einen Antrag auf Insolvenz gestell.

Das Interesse möglicher Käufer für die Versandhandelssparte Primondo nannte der vorläufige Insolvenzverwalter überraschend groß. Es gebe sieben bis acht Vertraulichkeitserklärungen von möglichen Käufern, die derzeit die Bücher prüften. Auch der Hamburger Wettbewerber Otto sei darunter, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Beoachter gehen aber davon aus, dass viele von ihnen allein an den wenigen profitablen Einzelunternehmen wie Quelle Russland oder HSE 24 interessiert sind.Bislang wird die Versandsparte vom Bankhaus Metzler nur im Gesamtpaket angeboten.

Unterm Strich unterscheidet sich der nun vorgelegte Sanierungsplan kaum von dem Sparkonzept, das Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick nach seinem Amtsantritt im vergangenen März vorgelegt hatte. Die Kosten für die Sanierung bezifferte der Ex-Telekom-Finanzchef damals allerdings mit 900 Mio. Euro. Von dieser Summe will der vorläufige Insolvenzverwalter nun nichts mehr wissen. Durch das beantragte Insolvenzverfahren würden Massenentlassungen deutlich günstiger. Auch das Insolvenzgeld habe dem Konzern geholfen. „Durch die Insolvenz haben wir eine völlig andere Ausgangslage“, sagte er.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin
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