Insolvenzverwalter
Ein bisschen Freude für Insolvenzverwalter

Nach lahmen Geschäftsjahren stimmen sich Deutschlands Insolvenzverwalter auf dem Insolvenzrechtstag in Berlin auf eine Hochsaison der Firmenpleiten ein. Die Zahl der Insolvenzen soll in diesem Jahr um fast ein Fünftel steigen. Die Insolvenzverwalter freuen sich - aber das soll nicht auffallen.

BERLIN. Endlich. Kein echter Brüller, und es hat bestimmt eine Viertelstunde gedauert, bis er die Pointe abgeschossen hat. Aber immerhin, es reicht seinem Auditorium, sich etwas Befreiung zu gönnen. Eruption nach der Vorspeise, Lachen aus 800 Kehlen: weil vorn auf einem Podium ein mittelgroßer Mann im mittelmäßigen Anzug vom großen "L" gesprochen hat.

Der Mann ist Hans Reckers, das Haar gescheitelt, von Tisch 29 aus besehen changiert sein Sakko ins Grünliche. Reckers ist auserkoren, die Dinner-Rede zu halten, er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und als Redner eher von der staubtrockenen Sorte. Er soll ihnen hier etwas erzählen von der Wirtschaftskrise, denn Krisen sind ihr Metier. 800 Insolvenzverwalter sind gekommen, es ist das sechste Mal, dass sie sich treffen, zum Deutschen Insolvenzrechtstag, Mittwochabend im Hotel Maritim, Berlin-Mitte.

Also lässt Reckers die Wirtschaftskrise Revue passieren, spricht von "Zeiten wie diesen". Als "Zweckgesellschaften in der IKB nicht mehr differenziert wurden", als sich irgendwann irgendwie "die Bewertungsfrage stellte", als es "zu viel Geld gab, zu viel billiges Geld". Reckers? Zuhörer starren leer in die Gläser vor sich auf dem Tisch. "Ich versteh? kein Wort", denken sie vielleicht. Und warten auf die Erlösung.

Die naht. Reckers sagt: "Manche meinen, die Krise entwickele sich wie ein V, erst steil nach unten, dann steil nach oben. Andere glauben an ein U. Steil nach unten, kurze Talsohle, dann steil nach oben. Die meisten aber", Reckers holt Luft, "glauben, die Krise ist ein L."

Das bringt sie zum Lachen.

Begrüßungsabend, natürlich im Schuldenhauptstadtstaat Berlin. Das Wort Pleite klingt dort vielleicht etwas weniger garstig als anderswo. Trotzdem sind die Insolvenzverwalter in einer blöden Lage. Sie haben schwierige Jahre hinter sich, die Zahl der Firmenpleiten hat in den vergangenen Jahren immer weiter abgenommen, der Markt ist eng geworden. Nun ist Krise, schlecht für das Land, aber ein Gottesgeschenk für ihre Branche. Wer will da lauthals jubeln? Aber so ein kleiner L-Witz, da wird Lachen ja noch erlaubt sein. Ein Nachbar an Tisch 29 wagt sich aus der Deckung. "Zwei Jahre dicke Geschäfte", sagt er voraus.

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