Insolvenzverwalter
Görg beschwört Karstadt-Gläubiger

Der auf der Kippe stehende Warenhauskonzern Karstadt verdient deutlich besser als erwartet. Seit dem Insolvenzantrag Anfang Juni häuften die Warenhäuser insgesamt ein Guthaben von 256 Mio. Euro an. Die Chancen für Sanierung steigen. Allerdings stehen sechs Warenhäuser vor dem Aus, elf weitere auf der Kippe.
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ESSEN. Auch nach der Insolvenzeröffnung am 1. September, die Karstadt seither wieder zur ordnungsgemäßen Zahlung aller Rechnungen verpflichtet, blieben die Einnahmen über den Ausgaben. "Wir können Karstadt stabilisieren und sind hoffnungsvoll, einen Investoren finden zu können", sagte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Dienstag auf der Gläubigerversammlung in der Essener Grugahalle. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Arcandor-Tochter noch Geld verbrannt. Insgesamt summierten sich die Verluste in den letzten drei Jahren laut Insolvenzverwalter auf eine Mrd. Euro.

Mit der Trendwende wachsen die Chancen für das 1881 gegründete Unternehmen, das zuletzt 4,1 Mrd. Euro umsetzte, die Insolvenz zu überleben. Fast einstimmig beauftragten die Gläubiger den Kölner Rechtsanwalt Görg, für Karstadt einen Insolvenzplan zu erstellen und das Unternehmen anschließend zu verkaufen. Obwohl sich bislang 24 931 Gläubiger mit Forderungen von 2,6 Mrd. Euro in die Insolvenzliste eingetragen haben, fanden am Dienstag kaum mehr als 250 von ihnen in die spärlich in Blau-Weiß dekorierte Versammlungshalle.

Standortschließungen sollen nun die Ertragslage von Karstadt weiter verbessern. Fest steht, dass in sechs der 126 Häuser zum Jahreswechsel das Licht ausgeht. Nicht nur Karstadt-Warenhäuser in Dortmund, Hamburg und München sind davon betroffen, sondern auch Elektrofachmärkte in Braunschweig, Berlin und Stuttgart. Für weitere elf Standorte werde die Weiterführung noch geprüft, sagte ein Unternehmenssprecher.

Verhandlungen mit den Vermietern

Mit dem Sanierungsplan will Görg auf die Suche nach Investoren gehen. Die Ausgangslage dazu sei gut, sagte der Insolvenzbeauftragte Rolf Weidmann. Mit den Vermietern gebe es hoffnungsvolle Verhandlungen. Der Hauptvermieter Highstreet, an den rund 70 Prozent der Pachten gezahlt werden, habe sich bereits zur Rücknahme unrentabler Standorte bereiterklärt. Hier seien die Mieten keineswegs "unanständig hoch", sagte der Görg-Beauftragte Helmut Balthasar.

Ob dies auch für die fünf Immobilien aus dem Oppenheim-Esch-Fonds gilt, an denen der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff privat beteiligt ist, wollte Balthasar nicht kommentieren, sprach in diesem Zusammenhang aber von "Nobelimmobilien". Den umgebauten "Premium"-Kaufhäusern wie in Leipzig und München (Oberpollinger) mangele es aber an Erfolg, heißt es in einem Papier des Insolvenzverwalters. Hier hatte Görg aus diesem Grund vorsichtshalber die Verträge gekündigt. "Wenn sich der Vermieter nicht bewegt, werden wir die eine oder andere Immobilie zurückgeben müssen", kündigte Balthasar an.

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