Inszenierung oder echt?
Sexclip bringt Modekette Uniqlo in Bedrängnis

Werbe-Gag oder Privatvideo? Ein junges Paar in China filmt sich beim Sex in einer Umkleidekabine. Der Clip aus einem Modehaus der Kette Uniqlo wird in China millionenfach geklickt. Dann schaltet sich die Polizei ein.
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PekingDas futuristische Kaufhaus der japanischen Modekette Uniqlo soll ein Aushängeschild sein. Der Komplex aus Glas und Stahl ragt am Südeingang des exquisiten Einkaufsviertels Sanlitun Village im Pekinger Botschaftsviertel in den Himmel. Aber seitdem ein Sexvideo aus einer Umkleidekabine in Chinas Sozialen Netzwerken kursiert, ist das Gebäude ein Lieblingsmotiv für Selfies von jungen Pekinger Paaren geworden – und bringt der Firma großen Ärger mit Chinas Sittenwächtern.

Am Wochenende wurde kein Thema in Chinas sozialem Netzwerk Sina Weibo so oft kommentiert und gelesen, wie das Sexfilmchen aus der Umkleidekabine. Von wüsten Anschuldigungen, über Entsetzen bis zu Lob reichen die Beiträge der Nutzer. Ausschnitte aus dem Film, der eine nackte Frau und einen fast vollständig angezogenen Mann zeigen, machen seit Tagen die Runde. Dann schreiten die Zensoren ein und löschen fast alle Spuren des Sex-Clips im Netz: Die Debatte ist mittlerweile bei Chinas Behörden angekommen.

Die Polizei schaltet sich ein. Auf ihrem offiziell verifizierten Weibo-Account gibt sie bekannt, das Paar aus dem Filmchen sei identifiziert und insgesamt vier Personen festgenommen worden. Ein 19-Jähriger soll das Video im Internet hochgeladen haben. Drei weiteren Verdächtigen wird die „Verbreitung von obszönen Botschaften“ vorgeworfen. Ob das Paar zu den Festgenommenen gehörte, teilt die Polizei nicht mit.

Und auch Uniqlo gerät in das Visier der Ermittler. Handelte es sich bei dem Video vielleicht um eine besondere Marketing-Aktion der Japaner? Diesem Verdacht gehen Fahnder nach, wie die Polizei chinesischen Staatsmedien berichtet.

Uniqlo versucht alles, um nicht tiefer in den Sog des Skandals zu geraten. Die Firma sei nicht an der Produktion des Videos beteiligt gewesen und bei dem Paar handle es sich nicht um Angestellte des Unternehmens, heißt es in einem im Internet verbreiteten Statement. Uniqlo sei einer hochwertigen Qualität verpflichtet und werde alles unternehmen, um seinem hohen Ansprüchen gerecht zu werden.

Aber das Sexvideo könnte teuer für die Japaner werden. Bis zu eine Million Yuan (rund 150.000 Euro) Strafe können die Modekette zahlen müssen, zitierte die Zeitung „China Daily“ den Pekinger Juristen Han Xiao. Zudem könnte der Firma ihre Verkaufslizenz entzogen werden.

Chinas Behörden kennen kein Pardon, wenn es um Sexualität geht. Seit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping Anfang 2013 in das höchste politische Amt aufgestiegen ist, greifen Chinas Sittenwächter härter durch. Ende 2014 waren zu tiefe Dekolletés aus dem Historiendrama „Die Kaiserin von China“ auf Chinas Staatssender CCTV verbannt worden. Aus „technischen Gründen“ wurde die Serie kurzzeitig aus dem Programm genommen und weniger später in einer überarbeiteten Fassung ausgestrahlt.

Pornografie ist in China verboten. Die Verbreitung von „obszönen“ Videos, Büchern und Fotos kann in China mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Wer pornografisches Material kommerziell nutzt, dem droht eine lebenslange Haftstrafe.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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