Interesse an Firmen aus dem Konsumgüterbereich: Tchibo-Gründer schielt auf lukrative Investments

Interesse an Firmen aus dem Konsumgüterbereich
Tchibo-Gründer schielt auf lukrative Investments

Die früheren Anteilseigner des Hamburger Kaffee- und Kosmetikimperiums Tchibo, Günter und Daniela Herz, halten nach milliardenschweren Investments im Konsumgüter und Einzelhandel Ausschau. „Wir planen langfristige Engagements“, betont Hinrich Stahl, Geschäftsführer der Hamburger Maryland GmbH, gegenüber dem Handelsblatt. Er habe neben Mehrheitsbeteiligungen auch Minderheiten mit unternehmerischem Einfluss im Visier. Namen von möglichen Investments nannte er nicht.

HB HAMBURG. Der Fokus auf konsumnahe Titel ist angesichts der Anteilseigner der neu gegründeten Beteiligungsfirma verständlich. Denn hinter Maryland steht die Hamburger Mayfair Vermögensverwaltungs mbH, an der Günter Herz 55,3 Prozent und Daniela Herz 44,7 Prozent besitzen. Günter Herz hatte bis 2001 als Vorstandschef der Tchibo-Holding die konsumnahen Beteiligungen an dem Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf (Nivea, Hansaplast), dem Zigarettenkonzern Reemtsma und dem Kaffeeröster Tchibo (Eduscho) gesteuert.

Das Vermögen der Herz-Geschwister wird auf vier bis sechs Mrd. Euro geschätzt. Allein für den Verkauf ihrer Anteile am Tchibo-Imperium hatten sie mehr als vier Mrd. Euro erhalten. Grund für die Trennung war, dass sich Günter und Tchibo-Eigner Michael Herz nicht auf eine unternehmerische Linie einigen konnten.

Seit dem Anteilsverkauf ist Günter Herz immer wieder als Großinvestor im Gespräch. So galt der Unternehmer lange Zeit als Interessent für das 31prozentige Aktienpaket der Düsseldorfer WestLB an dem Touristik- und Logistikkonzern Tui. Am Ende übernahmen die spanische Hotelkette Riu, das Geldinstitut Caja de Ahorros del Mediterráneo sowie der Immobilienkonzern Grupo de Empresas Matutes das Paket.

Die Herz-Geschwister sind in Deutschland kein Einzelfall. So sind auch die Familienstämme Quandt, Haniel und Schöller nach Brancheneinschätzung in Private Equity-Geschäft in Deutschland aktiv. Zu den größten Investoren in Europa gehören die niederländischen Brenninkmeyers. „Wohlhabende Familien schätzen an Private Equity, dass sie hier gegenüber anderen Anlageklassen nachhaltig höhere Renditen erzielen können“, meint Maximilian Brönner, Partner bei der schweizerischen LGT Capital Partners. Die Familien investieren weltweit in Private Equity, indem sie beispielsweise Anteile an Dachfonds erwerben. Eigene Fonds würden die Familien nur ganz selten auflegen, da ihnen das Risiko zu groß sei, heißt es.

Der Markt für außerbörsliche Beteiligungen wird seit rund zwei Jahren mit Milliardensummen überschwemmt, vor allem die angelsächsischen Fonds legen derzeit zwischen fünf und acht Mrd. Euro Eigenkapital an. Dabei setzen sie auch Fremdkapital ein. Ein Fonds mit fünf Mrd. Euro Eigenkapital kann über den Hebel der Kredite Transaktionen über 15 Mrd. Euro stemmen.

Hauptproblem der Fonds ist, dass es an geeigneten Kaufobjekten mangelt. So rangeln selbst um den Mittelstand rund 50 Beteiligungsfonds in Deutschland. Vor allem von den Eigentümern geführte Privatfirmen bekommen permanent Offerten von Beteiligungshäusern. Da die Fonds in der Regel eine Mehrheitsübernahme anstreben, ist der Durchbruch im Mittelstand noch weit entfernt. Erste Stimmen warnen vor einer Überhitzung des Marktes. Um Renditen zu erzielen, die die von Aktien übersteigen, verkaufen die Fonds mittlerweile ihre Investments untereinander weiter. Gründe hierfür sind, dass ein Börsengang nicht klappt oder industriellen Käufern die Preise zu hoch sind.

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