Interessenkonflikte bei den Anlegern
Blackstone hütet seine Geheimnisse

Der Finanzinvestor Blackstone strebt an die Börse. Dafür müsste er allerdings den Schleier über seine Gebühren als wichtigste Einnahmenquelle lüften. Was dabei zu Tage kommt, könnte potentielle Anleger und bisherige Investoren der Private-Equity-Gesellschaft gegeneinander aufbringen.

NEW YORK. Die Börsenpläne der Blackstone Group haben nicht nur an der Wall Street die Neugierde geweckt. Erhoffen sich doch neben den Investoren auch Politiker und Aufsichtsbehörden einen Einblick in die Geheimnisse der Private-Equity-Welt. Experten warnen jedoch vor übertriebenen Erwartungen. "Blackstone wird kaum die Einzelheiten seiner Firmenkäufe preisgeben", sagt Jay Ritter, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Florida.

Bisherigen Ivestoren der Private-Equity-Gesellschaft dürfte vor allem eins nicht schmecken: Der Börsenaspirant müsste den Schleier über seine Gebühren als wichtigste Einnahmenquelle lüften. Während die so genannten "limited Partners" als Geldgeber der Buyout-Fonds ein Interesse an möglichst geringen Managementgebühren haben, wollen die künftigen Anteilseigner an der Blackstone Group möglichst hohe Einnahmen sehen. "Das ist ein echter Interessenkonflikt", sagt Ritter.

Private-Equity-Gesellschaften sammeln meist von institutionellen Anlegern Milliardenbeträge ein, um damit unterbewertete Firmen aufzukaufen. Sie kassieren von ihren Investoren in der Regel eine Managementgebühr von jährlich 1,5 Prozent des verwalteten Vermögens. Daneben verlangen sie von den aufgekauften Unternehmen noch Gebühren für Beratungs- und Finanzierungsdienste, die sie mit ihren Geldgebern teilen. Hinzu kommen 20 Prozent der Gewinne (carried interest), wenn die zuvor übernommenen Firmen wieder verkauft werden. Die "limited Partner" wissen allerdings bislang nicht genau, welche Leistungen den Gebühren gegenüberstehen. Das dürfte sich nach einem Börsengang ändern und könnte einen Streit über die Höhe oder Aufteilung der Gebühren vom Zaun brechen.

Blackstone plant etwa zehn Prozent der Anteile an der Partnerschaft an Investoren zu verkaufen. Eine Endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, Firmenchef Stephen Schwarzman soll jedoch seine Investoren bereits vorgewarnt haben. Die Gruppe geht damit einen anderen Weg als zum Beispiel der Konkurrent Kohlberg Roberts & Co. KKR hatte im vergangenen Jahr einen seiner Investmentfonds für fünf Mrd. Dollar an der Börse in Amsterdam platziert.

Ritter vergleicht die Pläne von Blackstone eher mit dem Börsengang der Investmentbank Goldman Sachs 1999. "In beiden Fällen versuchen die führenden Partner die Ernte ihrer Aufbauarbeit einzufahren", sagt der Finanzprofessor. Auch Goldman Sachs hat nach seinem Börsengang übrigens nicht alle Geheimnisse gelüftet. So rätselt die Wall Street bis heute darüber, wie die Investmentbank ihre enormen Gewinne im Handels- und Beteili-gungsgeschäft erwirtschaftet.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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