Internationale Messewirtschaft
Frankreichs Messegigant überholt deutsche Konkurrenz

Die Vormachtstellung Deutschlands in der internationalen Messewirtschaft wackelt. Durch den Zusammenschluss zweier lokaler Gesellschaften rückt Frankreich schlagartig in die erste Reihe der Ausstellungsveranstalter auf – und überholt die deutsche Konkurrenz. In ein paar Jahren könnte der neue Pariser Messegigant sogar weltweit auf Platz eins vorrücken.

PARIS / DÜSSELDORF. Die Fusion der beiden französischen Messebetreiber, der Immobiliengesellschaft Unibail-Rodamco und der Pariser Industrie- und Handelskammer CCIP, sorgt für Nervosität in der deutschen Messebranche. Mit einem Umsatz von rund 560 Millionen Euro und Ausstellungsflächen von 570 000 Quadratmeter weist der neue Pariser Messegigant sowohl beim Umsatz als auch von der Fläche her die deutschen Konkurrenten Messe Frankfurt und Deutsche Messe in Hannover auf die hinteren Ränge.

„Wir wollen auch der deutschen Konkurrenz Marktanteile abjagen“, kündigte Renaud Hamaide an, Chef der Unibail-Tochter Paris Expo, die in dem neuen Ensemble aufgeht. Mit der Lebensmittelmesse Sial, der Modewoche Prêt-à-porter, der Paris Air Show oder der Maschinenmesse Sima haben die Franzosen schon jetzt bedeutende Messen im Programm, die mit deutschen Konkurrenzmessen um eine begrenzte Schar von Ausstellern kämpfen.

„Die Fusion hat jetzt die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden bekommen und soll im Januar endgültig unter Dach und Fach sein“, sagte Hamaide. Dann soll auch der neue Markenname bekanntgegeben werden. Laut Hamaide soll der fusionierte Messebetreiber einen einprägsamen Namen mit lokalem Bezug bekommen, der sich weltweit gut vermarkten lässt, ähnlich wie jener der Deutschen Messe AG, denkbar wäre etwa „Paris Foire“.

In ein paar Jahren könnte „Paris“ den niederländisch-britischen Messeriesen Reed, der 2006 rund 770 Millionen Euro Umsatz verbuchte, als größte Messegesellschaft der Welt vom Thron stoßen. Denn die Ausbaupläne können sich sehen lassen. Bereits fertig sind neue Hallen am Standort Paris Villepinte, im Norden der Stadt. Weitere 300 Millionen Euro stehen für Neubauten bereit.

Deutschlands Messechefs zeigen sich beeindruckt: „Wir deutschen Messegesellschaften müssen vor den Franzosen zwar keine Angst haben, Respekt ist aber durchaus angebracht“, sagte Bernd A. Diederichs, Chef der Nürnberg Messe. Die Franzosen hätten geschafft, was bislang keiner deutschen Messegesellschaft gelungen sei: einen Zusammenschluss zum gegenseitigen Nutzen, mit zahlreichen Synergien und großartigen Zukunftsperspektiven. „Aus meiner Sicht ist eine solche Leistung in Deutschland derzeit nicht denkbar“, sagte Diederichs. Er begründete dies mit einer „ungleich schwierigeren Ausgangslage“. Die Konzentration auf einen Platz, wie es in Frankreich Paris sei, sei aufgrund der föderalen Struktur aber auch der historischen Entwicklung in Deutschland nicht gegeben. Und ein Zusammenschluss unter Zwang sei zum Scheitern verurteilt. Fusionsgespräche scheitern in Deutschland regelmäßig an lokalpolitischen Interessen, wie etwa zwischen Köln und Düsseldorf. Beide Kommunen sind Anteilseigner der jeweiligen Messegesellschaften. Eine Fusion würde ihnen die direkte Kontrolle entziehen.

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