Internet-Handel
Versandhandel glaubt ans Kataloggeschäft

Der Internet-Handel boomt. Nach Prognosen des Deutschen Bundesverbands für Versandhandel dürfte die Branche erstmals mehr als 50 Prozent seiner Erlöse im Netz erwirtschaften. Doch Experten warnen: Die Händler verschenken im Internet Millionen.

DÜSSELDORF. Die Deutschen sind trotz Krise im Einkaufsfieber. Vor allem Einkaufen per Mouse-Klick wird beliebter, noch nie gaben die Konsumenten im Internet soviel Geld aus wie in diesem Jahr. Das veranlasst den Deutschen Bundesverband für Versandhandel (BVH) trotz der vielen Negativnachrichten um den angeschlagenen Versandhändler Quelle in den vergangenen Monaten zu einem optimistischen Blick auf das Jahr.

Nach Prognosen des BVH, die auf einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest basieren, wird der Online-Umsatz 2009 um 15 Prozent auf 15,4 Mrd. Euro steigen. Der Versandhandel dürfte damit erstmals mehr als 50 Prozent seiner Erlöse im Netz erwirtschaften, wie der Verband am Dienstag in Düsseldorf berichtete. Insgesamt wird der Branchenumsatz in diesem Jahr demnach um 1,7 Prozent auf 29,1 Mrd. Euro zulegen.

„Die Branche bekommt starken Rückenwind aus dem Internet und kann damit gegen den allgemeinen Trend im Einzelhandel wachsen“, erklärte Präsidiumsmitglied Dieter Junghans gestern. Egal ob stationärer Händler, Warenhersteller oder Apotheken, es gebe immer mehr Unternehmen, die eigene Online-Shops eröffnen und als Versender zusätzliche Umsätze erwirtschafteten.

Trotz der positiven Lage und des guten Ergebnisses glauben Experten allerdings, dass die Händler hinter ihren Möglichkeiten im Internet bleiben. Sie würden Millionen dort verschenken. Zahlreiche Unternehmen hätten es versäumt, Filialnetz, Außendienst, Kataloge und Internet aufeinander abzustimmen. Mit einer einheitlichen Strategie ließe sich im Durchschnitt ein um fünf Prozent höheres Umsatzwachstum erzielen, ergab eine Studie der Hamburger Unternehmensberatung Putz&Partner. „Vielerorts sind die Arbeitsabläufe, die IT-Systeme und die Unternehmenskultur noch immer vom Katalogversand geprägt“, bemängelte Horst Christian Blume, E-Commerce-Experte bei Putz&Partner. Dadurch blieben die Anforderungen des Internets und die Integration aller Kanäle in eine einheitliche Geschäftsstrategie auf der Strecke.

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, empfiehlt Blume etablierten Handelsunternehmen, die eigenen Denk- und Geschäftsansätze auf den Prüfstand zu stellen, um sie an die veränderten Anforderungen des Internets anzupassen.

Der BVW wiederum verteidigt das traditionelle Kataloggeschäft. „Der Katalog ist noch zeitgemäß“, sagte Junghans. Den Umfrageergebnissen des BVH zufolge blättern die meisten Kunden noch immer am liebsten in den dicken Gratisschinken, um sich von den Bildern inspirieren zu lassen.

„Als Element der Bedürfnisentwicklung ist der Katalog unverzichtbar“, sagte auch BVH-Geschäftsführer Thomas Steinmark. Selbst reine Internetanbieter würden mittlerweile versuchen, mit Papier Akzente zu setzen. „Komplett vom Katalog getrennt hat sich noch keiner“, sagte er. Und das, obwohl seit der Insolvenz des Versandhändlers Quelle immer wieder die Frage nach der Notwendigkeit von Katalogen gestellt wurde. Nur ein staatlicher Notkredit in Höhe von 50 Mio. Euro konnte den Druck des Quelle-Herbstkatalogs finanzieren.

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