Internet-Kaufhaus setzt statt eigenem Angebot auf externe Händler
Streit mit Diogenes-Verlag lässt Online-Händler Amazon kalt

Die Buchbranche ist empört, doch für das amerikanische Internet-Kaufhaus Amazon ist der Streit mit dem Diogenes-Verlag ein „ganz normaler Vorgang im Handelsgeschäft“.

jojo MÜNCHEN. Der deutsche Ableger des US-Konzerns hat die Bücher der Züricher, die Bestseller wie die von Donna Leon und Paulo Coelho herausgeben, seit Anfang Mai nicht mehr selbst im Angebot, weil sich die Firmen nicht über die Lieferbedingungen einigen konnten.

Was die Gemüter der Verleger erhitzt, lässt Amazon kalt. „Unser Geschäftsmodell ist so angelegt, dass es egal ist, ob wir etwas selbst verkaufen oder Händler“, sagte Ralf Kleber, Deutschlandchef von Amazon, dem Handelsblatt. Die Diogenes-Bücher sind zwar immer noch auf der Internet-Seite von Amazon.de zu bekommen. Allerdings werden sie nicht direkt von dem Konzern verkauft, sondern von externen Händlern.

In der Buchbranche sorgt die Auseinandersetzung deshalb für so viel Aufregung, weil Online-Anbieter wie Amazon.de, Buecher.de und Buch.de immer wichtiger werden, da jedes Jahr mehr Leute im Internet einkaufen. „Der Online-Händler Amazon ist mit seiner Dienstleistung zu einer interessanten Bezugsquelle für Buchkäufer und Leser geworden“, heißt es bei Diogenes.

Amazon dagegen sieht keinen Grund für den Wirbel. Das hat seinen Grund, denn die Einbußen sind wohl gering. Wer seine Waren über Amazon an den Mann bringt, zahlt dem Online-Kaufhaus eine Provision. Verkauft Amazon die Produkte selber, ist die Marge zwar vermutlich höher. Dafür muss das Unternehmen aber auch die Logistik selbst übernehmen. Darüber hinaus fallen Versandkosten

für den Konzern an, denn ab einer Bestellung von 20 Euro verlangt die Firma für die Pakete kein Geld.

Für die Kunden ergebe sich kaum ein Unterschied, argumentiert Kleber, denn viele Händler würden mittlerweile fast so schnell liefern wie Amazon selbst. Die Amerikaner haben die Zahl der Händler auf ihrer Seite zuletzt stark ausgebaut. Inzwischen bieten weltweit rund 600 000 Firmen ihre Waren auf Amazon.com und den einzelnen Länderseiten an. „Wir brauchen ein möglichst großes Volumen“, begründet Kleber die Expansion. Angaben zur Zahl der deutschen Händlern wollte der Manager nicht machen.

Mit seinem Wachstum durch viele kleinere Händler macht sich Amazon nicht nur Freunde. In den USA hat die Firma seit Jahren Vertriebsverträge mit großen Konzernen wie dem Spielwarenhändler Toys-R-Us und der Kaffeehauskette Starbucks. Nach Angaben des „Wall Street Journals“ ärgert sich jetzt aber Toys-R-Us darüber, dass mittlerweile zahlreiche Shops auf der Amazon-Seite die gleichen Spielwaren anbieten wie die Spielzeugkette.

Für die kleinen Händler ist Amazon attraktiv, denn das Unternehmen zählt weltweit mehr als 40 Millionen Kunden. Zuletzt gab es immer mehr Anbieter, die ihre Waren nicht nur auf dem Online-Auktionsportal Ebay angeboten haben, sondern auch bei Amazon.

Zum Umsatz in Deutschland äußert sich Amazon nicht. Zuletzt überflügelte das internationale Geschäft aber erstmals die Einnahmen in den USA. Längst verkauft Amazon nicht nur Bücher, sondern auch Elektronik sowie Artikel für Heimwerker, Köche und Hobbygärtner.

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