Interview
Börsen-Chef Francioni drängt Euronext

Der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, will die Fusionsverhandlungen mit der Vierländerbörse Euronext zügig zum Erfolg führen. Eine Übereinkunft sei schon vor der entscheidenden Hauptversammlung der Euronext am 23. Mai möglich, sagte er dem Handelsblatt (Montagsausgabe). „Wir sind bereit dazu und wollen schnell zu einer Lösung kommen.“

FRANKFURT. Die Deutsche Börse steht offenbar unter Druck, weil Euronext-Chef Jean-Francois Theodore seit langem einen Zusammenschluss mit der größten europäischen Börse, der London Stock Exchange (LSE), bevorzugt. Darüber hinaus wäre zwischen Frankfurt und der von Paris aus geführten Euronext eine Fusion unter Gleichen kaum möglich. Die zwei Konzerne kämen nur dann auf etwa gleiche Augenhöhe, wenn die Deutsche Börse ihren Wertpapierabwickler Clearstream abspalten würde, was Francioni aber nicht will. „Wir geben Clearstream nicht ab, sondern wollen es in eine Fusion einbringen“, sagte er. Gleichzeitig betonte der Chef der Deutschen Börse jedoch erneut, er strebe eine partnerschaftliche Lösung an, bei der sich niemand übervorteilt fühle.

Das Interview im Wortlaut:

Über die Konsolidierung der europäischen Börsen wird seit langem geredet. Aber die meisten Anläufe der letzten zehn Jahre sind gescheitert. Müssen wir noch einmal zehn Jahre Geduld haben bis zu Schaffung einer großen europäischen Börse?

Das ist nicht abzusehen. Dazu ist die Lage zu komplex. Aber einige Dinge haben sich gegenüber früher geändert, die eine Konsolidierung wahrscheinlicher machen. Unter anderem die Börsennotierung von Börsen allgemein und jetzt auch der US-Börsen, die sie in die Lage versetzt, im europäischen Geschehen als Akteur aufzutreten.

Haben die US-Börsen also aufgeholt und zwingen uns in Europa jetzt zu einer Konsolidierung, die wir selbst nicht erreicht haben?

Sie sind technologisch und strukturell bereit zu handeln.. Der Druck auf uns in Europa ist damit gestiegen. Wir müssen ab sofort in unsere strategischen Überlegungen einbeziehen, dass die Amerikaner ins europäische Geschehen mit eingreifen können. Einen ersten Anlauf haben wir gesehen mit dem Angebot der Nasdaq für die Londoner Börse (LSE). Ähnliche Aktionen sind nicht nur möglich von der New Yorker Börse (NYSE), sondern beispielsweise auch von der Chicago Mercantile Exchange (CME) und anderen. Ich würde es bevorzugen, wenn uns in Europa die Konsolidierung aus eigener Kraft gelänge.

Hat einer der US-Börsen sie schon angesprochen?

Dazu werde ich keine Angaben machen. Aber sicher sprechen wir alle immer wieder miteinander. Der Kreis der Verantwortlichen in der Branche ist nicht sehr groß, man kennt sich.

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