Interview
„Erfolg wird sehr gern zelebriert“

Der Chef von Bentley und Bugatti Wolfgang Dürheimer sprach über den allgegenwärtigen Luxus in der Gesellschaft und über die extremen Eigenarten der Käufer. Das Streben nach Besserem sei ein menschliches Bedürfnis.
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Zur Präsentation des ersten Luxus-Geländewagens der britischen Traditionsmarke Bentley in Genf konnte Wolfgang Dürheimer hohe Gäste begrüßen: „Mr. and Mrs. Piëch“ saßen in der ersten Reihe des Publikums. Den Ingenieur Dürheimer und den Patriarchen des VW-Konzerns verbindet der Hang zum technisch Extremen. Bei Porsche entwickelte Dürheimer den ersten Supersportwagen der Marke mit Hybridantrieb. Bei Bentley bricht er ein Tabu und wagt sich ins Gelände – wenn auch vorerst nur mit einem Konzeptauto.

Das Design des bulligen Luxusautos polarisiert zwar noch. Der risikobereite Dürheimer hält die Kritik aber aus – und verteilt bestens gelaunt eine kleine Glocke am Lederband. Sie verbindet das Auto mit einem Falken, dessen Ausdauer und Schnelligkeit von mehr als 300 Kilometern pro Stunde im Sturzflug Pate standen für den Geländewagen EXP 9 F. Das Tier stammt aus Peckforton Castle, einer beliebten Filmkulisse in der Nähe der Bentley-Zentrale in Mittelengland. Mit Handelsblatt-Redakteur Mark C. Schneider sprach Dürheimer über Extreme.

Handelsblatt: Herr Dürheimer, teure Autos, edle Uhren und wertvoller Schmuck laufen wieder prächtig. Woran liegt das?

Wolfgang Dürheimer: Das Streben nach dem Besseren, dem Außergewöhnlichen und Größeren ist ein menschliches Bedürfnis. Es lässt sich überall dort am besten ausleben, wo die nötigen Freiräume dafür vorhanden sind. In einigen Regionen unserer Welt war das vor 20 Jahren nicht der Fall, heute können die Menschen beispielsweise in China und Russland zum Glück ebenfalls frei entscheiden, wie sie sich für ihre harte Arbeit belohnen wollen.

Und in Krisen? Versiegt da nicht das Bedürfnis nach Besonderem?

Nein, Luxus ist immer allgegenwärtig und Luxus wird es immer geben. Die Menschen haben ja selbst in der Finanzkrise investiert, nur eben in andere Nutzerkategorien wie Häuser, Wohnungen, edle Ausstattungen, Schmuck, Diamanten oder Reisen und nicht in offensichtlichen, von der Öffentlichkeit unmittelbar wahrnehmbaren Luxus. Zumindest in der westlichen Welt wurde die Anschaffung von weithin sichtbaren Luxusgütern mitunter aufgeschoben. Dabei haben viele in der Krise noch härter gearbeitet. Viele erfolgreiche Geschäftsleute sind einfach müde, ihre Kaufentscheidungen weiter aufzuschieben, sie wollen sich mit etwas Luxuriösem belohnen. Wir kehren zur Normalität zurück.

Wo verkaufen sich Luxuskarossen am besten in der Welt? 

Unser Geschäft ist stark exportabhängig. Sieben von zehn gefertigten Bentleys gehen in die USA, nach China, Russland oder vereinzelt auch Südamerika. Wir haben bei Bentley in den ersten beiden Monaten dieses Jahres ein Plus von 47 Prozent bei den Kundenauslieferungen zu verzeichnen. In den USA rollt eine Nachfragewelle von der Westküste, also von Kalifornien aus, bis an die Ostküste, nach New York. In China steigt die Nachfrage gewaltig. Wir rechnen damit, dass China 2012 unser größter Einzelmarkt wird, und investieren kräftig in das Händlernetz. In Südeuropa bleibt das Geschäft leider schwierig.

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