Interview mit Arcandor-Chef
Middelhoff rückt von Warenhausfusion ab

Der Vorstandsvorsitzende von Arcandor verteidigt den schwierigen Umbau des Essener Handels- und Touristikkonzerns. Einer möglichen Fusion seiner Warenhauskette Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof steht überraschend kritisch gegenüber, prüft stattdessen eine Expansion im Ausland – und hält für sich eine Rückkehr in die Private-Equity-Branche offen.

Handelsblatt: Herr Middelhoff, stört es Sie eigentlich, immer wieder als möglicher Konzernchef genannt zu werden, wenn irgendwo in Deutschland ein neuer Vorstandsvorsitzender gesucht wird?

Middelhoff: Ich freue mich, dass mir offenbar so viele unterschiedliche Aufgaben zugetraut werden. Ich hatte allerdings an ihnen definitiv kein Interesse, weil meine Anschlussaufgabe schon lange feststeht.

Sie haben Ihren Vertrag jetzt bis Ende 2009 verlängert, weil bei Arcandor noch viel Arbeit auf Sie wartet. Denn ohne Immobilienverkäufe und Mieteinnahmen, die es künftig nicht mehr geben wird, hätte der Konzern im Rumpfgeschäftsjahr 2007 fast 650 Mill. Euro Verlust geschrieben. Ist die Sanierung gescheitert?

Die Sanierung ist geglückt. Der Konzern steht heute, knapp dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der Krise, gut da. Die Eigenkapitalquote hat sich verfünffacht, der Konzern ist nahezu finanzschuldenfrei. Allein im Rumpfgeschäftsjahr 2007 haben wir ein operatives Ergebnis von rund 600 Mill. Euro geschafft, und das ohne das entscheidende Weihnachtsquartal. Es hat im Rumpfgeschäftsjahr sowohl ergebniserhöhende als auch ergebnisverringernde Sondereffekte gegeben. Es wäre daher einseitig, wenn wir nur von den Sondererträgen sprechen würden. Ich gehe fest davon aus, dass wir im Geschäftsjahr 2008/09 unser Ebitda-Ziel von 1,3 Mrd. Euro erreichen werden. Dann sieht man, dass die Sanierung endgültig gelungen ist.

Gegenüber dem Vorjahr haben Karstadt-Warenhäuser in den ersten neun Monaten 2007 rund 2,7 Prozent ihres Geschäfts verloren, im Weihnachtsquartal fiel der Umsatz um 8,3 Prozent. Was macht Sie da so optimistisch?

Der Umsatzrückgang im Weihnachtsquartal wurde maßgeblich durch Sondereffekte wie das Karstadt-Jubiläum verursacht. Außerdem ist es nicht realistisch, bei einem Warenhaus, in dem ein neues Geschäftsmodell eingeführt wird, mit Umsatzzuwächsen zu rechnen. Denn dazu haben wir – um die Häuser umzurüsten – zu viel Fläche temporär aus dem Verkauf genommen. Natürlich hat es uns geärgert, dass wir im Weihnachtsquartal kein besseres Ergebnis erzielt haben. Aber durch das, was wir dort jetzt tun – Renovieren, Optimierung der Sortimente und Eröffnungen von Markenshops –, schaffen wir die Grundlage für bessere Geschäfte. So hat sich der Geschäftsverlauf im zweiten Quartal deutlich stabilisiert.

Immateriellen Vermögenswerten in Ihrer Bilanz von 4,5 Mrd. Euro stehen lediglich 2,4 Mrd. Euro Eigenkapital gegenüber. Schon eine globale Vogelgrippe könnte den aktivierten Firmenwert Ihrer Touristiktochter Thomas Cook erheblich verringern. Bei einer Korrektur um mehr als 2,4 Mrd. Euro wäre Arcandor pleite. Ist der Konzern ein Kartenhaus?

Von Kartenhaus in diesem Zusammenhang zu sprechen ist grober Unfug. Es stand außer Frage, dass der Konzern 2004 kurz vor dem Abgrund stand. Heute hat er wieder ein sicheres Fundament. Die 4,5 Mrd. Euro beziehen sich auf alle Bereiche des Konzerns und beinhalten nicht nur Firmenwerte. Ein Risiko bestünde dann, wenn wir nicht genügend Spielraum in der Bewertung hätten. Wir könnten bei Thomas Cook sogar einen Umsatzeinbruch von bis zu 30 Prozent verkraften, ohne den Firmenwert korrigieren zu müssen.

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