Interview mit dem neuen Rewe-Chef Alain Caparros
„Wir haben ein paar Züge verpasst“

Der neue Chef des Kölner Rewe-Konzerns, Alain Caparros, spricht mit dem Handelsblatt über Versäumnisse im Discount-Geschäft, die Schlüsselrolle des Heimatmarktes und die jüngsten Querelen in der Führungsspitze.

Herr Caparros, das Topmanagement hat beim Aufsichtsrat erfolgreich gegen Ihren Vorgänger Achim Egner rebelliert. Seit einer Woche stehen Sie nun an der Unternehmensspitze. Was wird sich unter Ihrer Führung ändern?

Man kann ein Unternehmen wie Rewe nicht im Alleingang führen. Dafür sind wir in viel zu vielen Branchen und Vertriebskanälen aktiv. So unterschiedliche Sparten wie LTU Touristik, Toom, Promarkt, Penny oder den selbstständigen Rewe-Einzelhandel kann man nur mit Fachleuten führen. Auf sie werden wir in Zukunft viel mehr zugreifen als bisher. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich gerne in der Mannschaft arbeite.

Müssen wir damit rechnen, dass jetzt weitere von Egner engagierte Manager bei Rewe den Hut nehmen müssen? Schließlich wurde nach seinem Antritt der komplette Vorstand umgebaut.

Nein. Alle Leute, die Egner auf ihre Posten gesetzt hat, machen eine gute Arbeit. Ich werde persönlich dafür sorgen, dass hier keine Verbindungslinie gezogen wird.

Aufsichtsratschef Burghard hatte Ihren Vorgänger Egner beauftragt, die vom langjährigen Vorstandschef Reischl produzierte Verkrustung zu beseitigen. Doch schon nach 17 Monaten musste Egner aufgeben. Ist Rewe reformunfähig?

Unter Reischl hat es keine Verkrustung gegeben. Er hat Rewe zu dem gemacht, was das Unternehmen heute ist. Eine solche Leistung darf man nicht lapidar auf ein solches Schlagwort reduzieren. Fest steht aber: Wir brauchen einen Wechsel. Einzelhändler wie Metro, Tesco oder Carrefour, die wir auf all unseren Auslandsmärkten in Europa treffen, arbeiten mit einer viel höheren Rendite. Deshalb müssen wir unsere Prozesse verbessern. Trotzdem dürfen wir die Unternehmenskultur dabei nicht aufgeben.

Andersherum: Sie werden auf die Empfindsamkeiten Ihrer Angestellten mehr Rücksicht nehmen müssen. Gerät damit das von Ihrem Vorgänger gesteckte Renditeziel von drei Prozent in Gefahr?

Ohne arrogant sein zu wollen, verspreche ich Ihnen: Es wird sogar noch höher werden. Warum nicht fünf Prozent oder sechs? Unser Ziel ist es, jedes Jahr besser zu werden. Ich setze da auch auf unsere Fernsehwerbekampagne, die Ende September startet.

Weshalb läuft Rewe Konkurrenten wie Metro oder Tesco hinterher, die längst zwischen drei und fünf Prozent ihres Umsatzes als Ertrag behalten?

Weil wir mit so vielen Vertriebskanälen arbeiten, ist unser Geschäft sehr komplex. Wir müssen uns Gedanken machen, ob wir diese Komplexität behalten wollen. Allein unser Personal reicht vom Supermarktleiter über Baumarkt- und Unterhaltungselektronik-Fachleute bis hin zu Touristikexperten. Das ist eine riesige Bandbreite.

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