Interview mit Easyjet-Chef Andy Harrison
„Low-Cost-Flieger sind Teil der Lösung“

In der Klimawandel-Diskussion ist auch der Flugverkehr mit seinem hohen Kerosinverbrauch ins Blickfeld geraten. Easyjet-Chef Andy Harrison spricht im Interview mit dem Handelsblatt über Effizienz, Umweltschutz und den Emissionshandel in der Luftfahrt.

Handelsblatt: Mr. Harrison, die Klimaschutz-Debatte hat rasch den Flugverkehr in den Mittelpunkt gerückt. Zu Recht?

Harrison: Es ist gut, dass sich das öffentliche Verständnis der Erderwärmung in letzter Zeit so dramatisch verbessert hat. Aber ich ärgere mich über die Klimaschutzdiskussion aus zwei Gründen. Zum einen: Der Flugverkehr spielt eine Rolle beim Klimawandel, aber eine relativ kleine. Selbst wenn man den Effekt einbezieht, dass Flugzeuge ihre Emissionen näher an der Atmosphäre ausstoßen, haben sie 2050 allenfalls einen Anteil an 5 Prozent an der Erderwärmung. Die großen Hebel sind doch Stromerzeugung, Beleuchtung und die Abholzung der Wälder.

Auf Flüge kann der einzelne Konsument aber schnell verzichten. Fürchten Sie, dass sich die Debatte bald auf ihr Geschäft auswirkt?

Ich glaube nicht, dass die Leute Fliegen verzichtbarer finden als andere klimaschädliche Aktivitäten. Wenn sie wohlhabender werden, reisen sie mehr. Das war schon immer so. Als sie ihr erstes Pferd hatten, ritten sie in die nächste Stadt. Mit dem ersten Auto fuhren sie ans Meer. Heute fliegen sie halt. Man muss die Balance zwischen dem Umwelteffekt und dem Wohlstandseffekt des Fliegens wahren. Die Luftfahrt ist das Rückgrat des internationalen Handels, sie schafft eine Menge Wohlstand.

Vorsichtshalber positioniert sich Easyjet aber schon einmal als „grüne Airline“.

Unsere Botschaft ist: Wenn Sie fliegen wollen, bedenken Sie, dass nicht alle Airlines gleich sind. Alles was uns kosteneffizient macht, macht uns auch umwelteffizient. Der Treibstoffverbrauch pro Person ist bei uns niedriger als bei anderen. Während zum Beispiel Alitalia mit halb leeren alten Jets durch die Gegend fliegt, haben wir eine moderne, hoch ausgelastete Flotte. Nein, Low-Cost-Flieger sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.

Inwiefern?

Nun, wir gewinnen Marktanteile von Konkurrenten wie British Airways oder BMI. Damit ersetzen wir auf den Strecken deren alte Flugzeuge mit unseren neuen. Das ist ein positiver Kreislauf: Wir fliegen effizient, verdrängen Konkurrenten mit alten Maschinen, machen mehr Gewinn, kaufen neue Flugzeuge, und so weiter.

Und das ist alles, was die Luftfahrtbranche tun kann, um Emissionen zu vermindern?

Nein, durchaus nicht. Wenn man zum Beispiel die Luftverkehrsüberwachung in Europa vereinheitlichen würde, könnte man bis zu zwölf Prozent Emissionen sparen. Außerdem wird es in weniger als 20 Jahren Flugzeuge aus Verbundwerkstoffen geben, die viel leichter und energieeffizienter sind als die heutigen. Wir müssen so profitabel arbeiten, dass wir dann das Geld haben, um die zu kaufen.

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