Interview mit Guy Naggar, Chairman Dawnay Day
Neuer Warenhaus-Eigentümer: "Wir werden keine Geschäfte abreißen"

Guy Naggar ist mit einem Schlag zu einem der wichtigsten Männer im deutschen Handel aufgestiegen. Er ist Chairman der britischen Investorengruppe Dawnay Day, die zusammen mit Hilco UK am Mittwoch 74 kleinere Karstadt-Warenhäuser übernommen hat und sie als "Karstadt City" weiterführt.

Herr Naggar, Ihre Investorengruppe übernimmt 75 Karstadt-Häuser. Wie kam der Kontakt zu Karstadt zu Stande?

Wir haben uns Deutschland seit zwei Jahren angeschaut. Dass die Warenhäuser zum Verkauf stehen, wurde dann vor einigen Monaten bekannt. Wir haben über Goldman Sachs den Kontakt zum Management aufgenommen.

Welche Ziele verfolgen Sie in Deutschland?

Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir langfristig investieren. So wollen wir es in Deutschland auch halten. Je mehr wir von dem Standort gesehen haben, desto mehr hat er uns gefallen. Deutschland mag niedergeschlagen sein. Aber es ist ein schlafender Riese, der gerade erwacht. Wir haben das Gefühl, dass das Land die richtigen Beschlüsse fasst.

Was haben Sie mit den Immobilien vor?

Wir wollen den Ertrag maximieren. Die Lagen in den kleineren Städten sind erstklassig. Wenn es geht, wollen wir weitere Standorte finden. Dafür müssen wir nicht das ganze Modell auf den Kopf stellen. Wir werden auf keinen Fall die Geschäfte abreißen und etwas anderes mit den Grundstücken machen.

Wollen sie weiter expandieren?

Wir interessieren uns für Osteuropa. Wir wollen aber noch mehr Immobilien in Deutschland kaufen. Wir interessieren uns auch für andere Sektoren, in denen wir von unserer Expertise bei Immobilien profitieren können. Vor einem Jahr haben wir uns zum ersten Mal ein Hotel in Großbritannien gekauft. Wir haben uns gute Manager besorgt und seitdem 17 weitere Hotels für 300 Millionen Pfund zugelegt. Wenn wir kaufen, müssen wir auch nicht immer mit jemand anderem zusammen arbeiten. Manchmal gehen wir den Weg alleine, manchmal suchen wir uns Partner.

Dawnay Day arbeitet seit 1928 in London, in der jetzigen Form seit 1981. Damals kaufte der Franzose Guy Naggar den Namen von RIT, der Investmentfirma von Baron Rothschild. Jahre später baute Naggar mit seinem Partner Peter Klimt eine Firma mit zwei Kerngeschäften: Immobilien und Finanzdienste. Zwanzig Jahre später sind Naggar (64) und Klimt (59) Alleineigentümer. Dawnay hat heute Vermögenswerte von fast drei Mrd. Euro brutto. Sie beschäftigen 300 Angestellte, 50 auf der Immobilien-Seite. In Großbritannien ist Dawnay als Besitzer der Restaurant-Kette „Chez Gerard“ bekannt. Dawnay investiert in Übernahmen und arbeitet als Fusionsberatung, hat eine Fondsverwaltung und bietet Wertpapierhandel an. Die Gesellschaft besitzt in Deutschland gewerbliche Immobilien in 40 Städten im Wert von 500 Mill. Euro.

Hilco UK ist Partner der Karstadt-Transaktion. Die Gesellschaft mit Paul McGowan an der Spitze konzentriert sich auf in Schwierigkeit geratene Firmen, die sie umstrukturiert. Die Briten erwirtschafteten 2004 einen Umsatz von 350 Mill. Pfund. McGowan bezeichnete den Kauf gestern als „riesigen Schritt“ für Hilco. Zwar suchte die Tochter der US-Firma Hilco Trading schon früher Partnerschaften. Doch die Größe ist ungewöhnlich. McGowan verspricht, langfristig zu investieren. Es werde „keine direkten Arbeitsplatz-Verluste“ unter den 2 500 Mitarbeitern geben. Er wolle das Management beim „kreativen Denkprozess“ unterstützen. Die Chefs von Hilco und Dawnay kennen sich seit einigen Jahren. Von beiden könnte man in der Zukunft mehr hören – sie blieben an Deutschland „sehr interessiert“.

Karstadts so genannte Kompakt-Warenhäuser erzielten zuletzt mit 4900 Mitarbeitern einen Umsatz von 700 Mill. Euro. Sie sollen noch bis Mitte 2007 unter dem Namen „Karstadt City“ von den neuen Investoren weitergeführt werden. Die verbliebenen 89 größeren Häuser will Karstadt ausbauen.

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