Interview mit Karl-Friedrich Rausch
Bahn will Billigflieger-Kunden zurück auf die Schiene holen

Das Handelsblatt sprach mit Karl-Friedrich Rausch, Vorstand Personenverkehr der Deutschen Bahn AG, über das neue "alte" Preissystem sowie die Zukunft des Personenfernverkehrs auf der Schiene.

Herr Dr. Rausch, die am 1. August wieder eingeführte Bahn-Card 50 hatte einen guten Start. Hält der positive Trend an, wie viele Cards werden sie im August verkaufen?

Bereits Mitte August hatten wir 160 000 Bahn-Card 50 verkauft. Nach dem überraschen starken Verkaufsstart am ersten Tag stabilisieren sich die Zahlen jetzt auf hohem Niveau. Ich bin optimistisch, dass wir unser Ziel zum Jahresende erreichen werden: drei Millionen Bahn-Card-Besitzer.

Ist die Bahn-Card 25 auch gefragt?

Ja, denn sie ist das ideale Einstiegsangebot für alle, die noch nicht so viel mit der Bahn reisen. Besonders beliebt ist sie bei Familien, denn Partner und Kinder unter 18 bekommen sie für nur fünf Euro. Außerdem lässt sich die Bahn-Card 25 noch ein Jahr lang mit den Sparpreisen kombinieren.

Können Sie darüber hinaus nach der Reform des neuen Preissystems so etwas wie eine Trendwende im Fernverkehr, insbesondere mit steigender Nachfrage feststellen? Wie ist das Kundenecho auf die veränderte Preisstruktur?

Alle sind zufrieden: Die Kunden, die Mitarbeiter, die Verbände. Dieser Stimmungswandel ist erst einmal eine große Erleichterung, garantiert allein aber noch keine steigende Nachfrage. Jetzt strengen wir uns kräftig an, um auch die Nachfrage zu stimulieren. Schließlich müssen wir deutliche Preisnachlässe kompensieren und auch gegen die schlechte Konjunktur ankämpfen.

Herr Mehdorn beklagt immer wieder die innerdeutsche Konkurrenz der Billigflieger. Werden Sie versuchen, mit Sonderangeboten Kunden zurück zu holen?

Solange sich unsere Kunden noch an die neuen Preisangebote gewöhnen, wollen wir sie nicht gleich mit weiteren Veränderungen überfrachten. Aber natürlich lassen wir uns etwas einfallen, um die Kunden der Billigflieger wieder zurück auf die Schiene zu holen. Beim Metropolitan zwischen Köln und Hamburg ist uns das schon gut gelungen, auch wenn es nicht ganz einfach ist, die steuerliche Ungleichbehandlung durch niedrigere Preise zu kompensieren.

In der Touristik ist in diesem Jahr viel vom Trend zum Deutschland-Urlaub gesprochen worden. Hat die Bahn davon etwas gemerkt?

Ja, vor allem unsere Tochter Ameropa, die fast zwei Drittel des Geschäfts mit Zielen im Inland macht – mit überproportionaler Steigerung bei den Bahnpauschalreisen. Auch bei der Anreise zum Urlaubsort wählen immer mehr Gäste die Bahn anstelle des Autos.

Bei zahlreichen neuen Fahrzeugen, vom Nahverkehrstriebwagen bis zum ICE 3, gibt es immer noch technische Probleme. Ist da ein Ende absehbar?

Die Industrie und ihre Lieferanten sind in der Pflicht und arbeiten mit Hochdruck daran, die technischen Probleme zu lösen. Den Kunden interessiert es aber nicht, wer Schuld ist. Er verlangt für sein Geld von der Bahn ein funktionierendes Fahrzeug – und da hat er auch völlig Recht. Wir erwarten bis zum Herbst eine deutliche Verbesserung.

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