Interview mit Martin Sorrell, CEO des britischen Werbekonzerns WPP
"Das ist alles ein bisschen albern"

Der britische Werbekonzern WPP hat großes Interesse daran, den Marktforscher TNS zu übernehmen. Der ist sich allerdings bereits mit der deutschen GfK über eine Fusion unter Gleichen einig. WPP-Chef Martin Sorrell greift im Handelsblatt-Interview nun TNS und GfK heftig an und versucht Zwist zu säen.

Handelsblatt: Sie haben sich am Montag mit der Führung von TNS getroffen. Wie sind die Gespräche gelaufen?

Sorrell: Das waren keine Gespräche. Die britische Übernahme-Kommission hat angeordnet, dass TNS uns die gleichen Informationen zur Verfügung stellen musste, die der GfK-Verein als Hauptaktionär von GfK bekommen hat. Am Montagnachmittag hat das TNS-Management uns eine Präsentation gegeben, angeblich die gleiche, die sie dem GfK-Verein gegeben hat. Wir haben ihnen viele Fragen gestellt, aber sie wollten einen beträchtlichen Teil davon nicht beantworten, weil der Verein diese Fragen nicht gestellt habe.

Wie geht es nun aus Ihrer Sicht weiter?

Wir haben um zusätzliche Informationen gebeten und hoffen, dass wir die Antworten bekommen werden. Bisher war das kein sehr zufrieden stellender Prozess.

Welche Informationen fehlen denn noch?

Nun, das wissen wir ja nicht. Wir wissen ja nicht, welche Informationen GfK bekommen hat. Das ist alles ein bisschen albern. Für die Aktionäre von TNS ist das nachteilig in Bezug auf das Angebot, das wir machen können.

Haben denn die Informationen, die Sie erhalten haben, ihre Einschätzung der Lage verändert?

Nein, unsere Einschätzung der Fusion von TNS und GfK bleibt dieselbe. Wir verstehen noch immer nicht, woher die enormen Synergien kommen sollen, die sie einplanen. Sie würden Margen von 15 Prozent und mehr voraussetzen, ein Niveau, das in der Industrie ohne Beispiel ist. TNS hat niedrigere Margen als unsere Tochter Kantar. Und Fusionen unter Gleichen funktionieren nur selten."

Wollen Sie denn jetzt ein höheres Angebot für TNS abgeben?

Wenn wir nicht alle Informationen erhalten, die GfK hat, dann hindert uns das daran, den effektivsten Vorschlag zu machen. Das ist eindeutig nicht im Interesse der TNS-Aktionäre. Hajo Riesenbeck [der Vorsitzende des GfK-Aufsichtsrats und Präsident des GfK-Vereins] hat mir viele Male gesagt, dass er ein Übernahmeangebot für TNS machen werde, falls wir in Gespräche mit ihnen einträten. Er hat das nicht getan, also war das offenbar ein Bluff. Die Entscheidung der Übernahme-Kommission scheint das zu bestätigen, denn TNS muss uns nicht die gleiche Information geben wie GfK, weil GfK nicht als potenzieller Bieter für TNS gilt.

Was sind dann also ihre nächsten Schritte?

Es gibt vier Alternativen: Eine ist, dass wir es aufgeben, die zweite, dass wir bei unserem Vorschlag bleiben, aber die Bedingungen entfernen, unter denen wir ihn gemacht haben. Drittens könnten wir mit einem anderen Vorschlag kommen und viertens ein feindliches Angebot abgeben. Macht die Information, die wir gesehen haben, ein feindliches Angebot unwahrscheinlicher? Das kann ich im Moment nicht sagen, aber wir haben vor, die Sache sehr diszipliniert anzugehen.

Wann werden Sie denn entscheiden, was Sie tun wollen?

Wir haben keine Eile, denn TNS und GfK haben ja noch nicht einmal die Fusionsdokumente veröffentlicht. Sie bewegen sich mit der Geschwindigkeit der Gesteinserosion.

Mal ehrlich: Versuchen Sie nicht einfach, so viele Informationen wie möglich über wichtige Konkurrenten abzugreifen?

Das ist Nonsens, eine Ausrede, die die Gegenseite benutzt, um uns keine Informationen geben zu müssen. Ich glaube nicht, dass das Management versuchen sollte, mit solchen Ausflüchten einen echten potenziellen Bieter von Informationen fernzuhalten. Wir wollen hier doch nicht unsere Zeit verschwenden.

Besitzt WPP Aktien von TNS?

Nein, wenn das so wäre, dann müssten wir das mitteilen.

Wie viele TNS-Aktionäre wähnen Sie auf Ihrer Seite?

Da müssen sie mit denen sprechen. Kein Aktionär, mit dem wir gesprochen haben, fand es richtig, dass TNS uns Informationen vorenthält. Eine der kritischen Fragen ist doch, wo wäre der Aktienkurs von TNS, wenn wir aufgäben?

Was glauben Sie würde die Fusion mit TNS für die Beschäftigten von GfK bedeuten?

[GfK-Chef] Klaus Wübbenhorst hat den Beschäftigten erzählt, dass es nach einer Fusion mehr Jobs geben werde, aber er hat ihnen nicht erzählt, wo. Wir glauben nicht, dass es mehr Jobs in Nürnberg geben würde, die Leute würden nach Peking oder Bangalore ziehen müssen. Er ist dem Thema ausgewichen. Ich nehme an, dass er nicht länger im Management arbeiten wird. Riesenbeck hat mir angedeutet, dass Wübbenhorst nicht als die richtige Wahl gesehen werde, um ein internationales Unternehmen mit Sitz in London zu leiten.

Was ist denn eigentlich für WPP so interessant an TNS?

Wir haben in diesem Markt ein größeres Geschäft als GfK und etwa die gleiche Größe wie TNS. Unsere Ziele sind es, unser Geschäft in rasch wachsenden Regionen wie Asien-Pazifik, Lateinamerika, Afrika, Nahost und Mittel- und Osteuropa auszubauen und in Gebiete außerhalb der Werbung zu expandieren, darunter Marktforschung und Internet. TNS erfüllt alle diese Kriterien.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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