Interview mit Namenserfinder Gotta „Dann merkt man: In Analytica steckt das Wort ‚anal’“

Die Gucci- und Puma-Mutter nennt sich heute von PPR in Kering um. Namenserfinder Manfred Gotta, der Firmennamen wie Evonik und Targobank schuf, erklärt im Gespräch, welche Fallen bei der Firmentaufe lauern.
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Auch für die Landesbank WestLB musste ein neuer Name her. Sie heißt jetzt Portigon. Quelle: Reuters

Auch für die Landesbank WestLB musste ein neuer Name her. Sie heißt jetzt Portigon.

(Foto: Reuters)

Wenn man mit Manfred Gotta telefoniert, hat man fast das Gefühl, als hätte man die Nummer eines entlegenen Urlaubs-Paradieses gewählt. Der Namenserfinder, auf dessen Konto so bekannte Namen wie Megaperls von Persil, der Name der Targobank sowie zahlreiche Automodell-Bezeichnungen wie der Renault Twingo gehen, scheint die Ruhe weg zu haben. Entspannt spricht er mit bayerisch rollendem „R“ über sein Handwerk, das auch viel mit Gefühl zu tun hat.

Ab heute heißt die Puma- und Gucci-Mutter PPR Kering. Was halten Sie von dem neuen Namen, Herr Gotta?

Nichts. Der Name ist seelenlos, kalt und emotionslos. 

Namensgeber für Firmen: Manfred Gotta. Quelle: PR

Namensgeber für Firmen: Manfred Gotta.

(Foto: PR)

Dabei sollte der Name laut PPR-Chef Francois-Henri Pinault an das Wort „caring“, also zu Deutsch „fürsorglich“ erinnern.

Das ist immer der Irrtum. Wenn Sie an die Firma „Honeywell“ denken, denken Sie doch auch nicht an „guten Honig“. Die Leute reagieren spontan und überlegen nicht, was mit dem Namen gemeint sein könnte. Der Name „Kering“ würde gut zu einem Stahlproduzenten passen.

Bei welchen Namen ist die Verknüpfung mit einer beabsichtigten Assoziation denn gelungen? 

Da gibt es viele Beispiele. Wenn Sie etwa „Tabasco“ hören, denken sie nur an dieses eine Produkt. Da fangen sie auch nicht an herumzudoktorn und sagen „Schau mal, wenn man das "s" zuhält, heißt es ja "Tabacco"“. Der Verbraucher macht das nicht. 

„Die reine Namensgebung kostet 150.000 Euro“
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3 Kommentare zu "Interview mit Namenserfinder Gotta: „Dann merkt man: In Analytica steckt das Wort ‚anal’“"

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  • Uiii...Das HB auf neuer, satirischer Tuchfühlung.

  • Phantasie-Namen, die keinen Rückschluß auf die Tätigkeit des Unternehmens zulassen, sind der erste Schritt zum Betrug.
    Weitere folgen dann, z.B in Form von irreführender Werbung.

    Der Kunde ist hier nicht König sondern der Blödmann.

  • Es drängt sich der Eindruck auf, dass man Firmen, die sich mit künstlichen Nameskreationen tarnen, gar nicht mehr erkennen, resp. zuordnen soll. Denn wer mutet sich schon freiwillig

    "Arcandor, Agility, e.on, Ergo, Targo, Tognum oder Wincanton"

    zu (um nur wenige zu nennen)? Hinter der unscheinbaren Fassade geht immer der Punk ab - in erster Linie zu Lasten der Mitarbeiter und in nicht wenigen Fällen auch zu Lasten der Gläubiger.

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