Interview mit Philip Yea
„Keiner kauft heute mehr billig“

Der Vorstandschef der britischen Beteiligungsgesellschaft 3i Group im Gespräch mit dem Handelsblatt über hohe Einstiegspreise, das Image der Private-Equity-Branche, sich ändernde Geschäftsmodelle und die Attraktivität deutscher Unternehmen als potenzielle Übernahmekandidaten.

Handelsblatt: Mr. Yea, die Private-Equity-Fonds sammeln derzeit so viel Geld ein wie nie. Droht die Branche zu überhitzen?

Yea: Es mag einen gewissen Zyklus geben, doch die Industrie hat noch einen weiten Weg vor sich. Sie ist ja schließlich erst 25 Jahre alt. Private Equity ist jetzt Mainstream geworden. Natürlich ist die Liquidität auf den Kreditmärkten zurzeit außerordentlich hoch, was Übernahmen erleichtert. Das wird kaum so bleiben.

Private-Equity-Investoren brauchen Kredite, in der Regel werden zwei Drittel des Kaufpreises für ein Unternehmen mit Fremdkapital finanziert. Wie reagiert die 3i Group, wenn das Angebot plötzlich knapper wird?

Wir waren schon in den vergangenen 18 Monaten vorsichtig wegen des hohen Niveaus an Kreditfinanzierung. Vor allem versuchen wir, unsere Beteiligungen nicht bei organisierten Auktionen zu kaufen, bei denen sich die großen Investoren gegenseitig überbieten. Bei den Preisen, die da gezahlt werden, ist es oft schwer, den Wert der Unternehmen noch zu steigern. Wir müssen darauf achten, dass unsere Renditen auch dann noch stimmen, wenn in drei oder fünf Jahren Kredite nicht mehr zu den gleichen Konditionen wie heute zur Verfügung stehen.

Mit Verlaub, alle Private-Equity-Investoren sagen, dass sie sich möglichst von Auktionen fern halten. Letztlich sind sie dann aber doch meist dabei.

Ich sage ja nicht, dass wir uns nie an Auktionen beteiligen. Aber wir verzichten darauf oft von vornherein und nutzen unsere Zeit lieber, um anderswo gute Investitionsgelegenheiten zu finden. Wir pflegen Kontakte zu potenziellen Verkäufern und zum Management. In Auktionen geht es immer über den Preis. Und wenn man sich immer über den Preis durchsetzt, dann ist das hier eine sehr gefährliche Branche.

Machen Sie sich Sorgen über den Zustand der Private-Equity-Branche?

Nein, die Branche ist heute viel transparenter, und sie legt Rechenschaft ab über das, was sie tut. Die Geheimniskrämerei früherer Zeiten hatte ihrem Image geschadet. Früher haben die Beteiligungsgesellschaften nicht über ihre Aktivitäten gesprochen, sie mussten es ja auch nicht. Aber wir wollen nachweisen, dass wir unsere Unternehmen gut führen, dass wir auch sozial verantwortlich handeln.

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