Interview mit Pierre-Emmanuel Taittinger
„Die Welt ist reich, aber schlecht organisiert“

Der Champagner-Hersteller Taittinger hat ein exzellentes Jahr hinter sich, denn der Champagnerkonsum folgt dem Optimismus. Im Handelsblatt-Interview spricht Pierre-Emmanuel Taittinger über Luxus und Werte. Warum der Kapitalismus sich laut Taittinger neu erfinden muss.
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Handelsblatt: Herr Taittinger, Sie haben Ihr Unternehmen erst lukrativ verkauft und dann kurz vor Beginn der Finanzkrise einen kleinen Teil für knapp 600 Millionen Euro wieder zurückgekauft. War das nicht schlechtes Timing?

Pierre-Emmanuel Taittinger: Mir war wichtig, dass ich meinen Namen, mein Unternehmen zurückgekauft habe. Ich persönlich wollte nie verkaufen, musste mich aber einer Mehrheit fügen. Der Käufer, die Starwood Group, erkannte, dass Champagne Taittinger ohne die Familie nicht mehr das gleiche ist. Also konnte ich es zurückkaufen.

Waren die Verbindlichkeiten in der Krise so hoch?

Ich hatte im Businessplan vorsichtshalber eine Krise eingeplant. Als sie kam, hatten wir zuvor drei gute Jahre und kamen glimpflich davon. Wir haben mehr an der Dollarschwäche gelitten. Wir exportieren viel.

Wie sieht es jetzt aus?

Wir haben einen stärkeren Dollar und ein exzellentes Jahr hinter uns. Der Champagnerkonsum folgt dem Optimismus.

Welche Pläne haben Sie für Taittinger?

Die Familie hat 47 Prozent der Stimmrechte und Optionen, auf 55 Prozent aufzustocken. Was die Schulden angeht, sehen Sie einen entspannten Mann vor sich.

Aber Taittinger verzeichnet kaum Wachstum ...

Unsere Industrie ist besonders, weil sie nicht wachsen muss. Die Produktion ist von Natur aus limitiert. Es kommt darauf an, Kunden zu finden, die bereit sind, für Qualität zu zahlen. Wir haben 300 Hektar Weinberge, die 50 Prozent unserer Produktion sichern. Das ist gut für konstante Qualität. Wir stellen fünf Millionen Flaschen her, vielleicht irgendwann sechs Millionen. Aber alle Finanzpläne sind ohne Wachstum kalkuliert.

Und falls Sie doch mal Geld brauchen?

Wir hatten neben der Bank Crédit Agricole einige europäische Familien angesprochen, die wir gut kennen und die Geld anlegen wollten. Sie wollen anonym bleiben, aber wenn wir uns treffen, sagen sie: "Wenn Taittinger Geld braucht, ist es da." Ich bin kein Abenteurer. Wir planen extrem konservativ, haben nach der Krise einen Kassensturz gemacht und geschaut, was übrig ist. Und wir sind finanziell in guter Verfassung.

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  • Menschlich,vernünftig,freundlich und zukunftsträchtig.Ein Unternehmer mit der richtigen Philosophie,den man beneiden darf und auch bewundern, auch wenn sich das etwas "altmodisch" anhört. Man sollte sich ab und an ein Gläschen Champagner leisten und seiner Putzfrau auch eins anbieten.

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