Interview
Post-Chef Frank Appel: „In der Krise gilt: Cash is King“

Auch die Deutsche Post spürt mittlerweile die Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Trotz den Kurseinbrüchen bei den Konzernaktien schläft Vorstandschef Frank Appelt jedoch weiterhin ruhig. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der 47-Jährige über die ablehnende Haltung der Postbank gegenüber dem staatlichen Rettungspaket und warum die Post gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

Herr Appel, als Sie vor sieben Monaten Chef der Deutschen Post wurden, da notierte die Post-Aktie bei rund zwanzig Euro. Heute kostet sie gerade mal acht. Das klingt, obwohl Sie inzwischen die Postbank verkauft und die Sanierung des US-Geschäfts begonnen haben, nicht nach einer Erfolgsgeschichte?

Die Frage könnten Sie ähnlich dieser Tage auch vielen anderen Dax-Chefs stellen. Um es klipp und klar zu sagen: Für mich gilt, das zu tun, was richtig ist für das Unternehmen. Dies ist uns jetzt mit der Entscheidung zur Kapitalerhöhung bei der Postbank gelungen. Wenn das dem Kapitalmarkt nicht gefällt, muss man halt auch einmal Prügel einstecken können.

Wie fühlt man sich als Vorstandschef, wenn die Aktien der Post und der Postbank abstürzen?

Ich habe auch an solchen Tagen ruhig geschlafen. Entscheidend ist es, Stabilität zu erzeugen und Führung zu zeigen. Und vor allem: keine Hektik, denn dann passieren Fehler.

Wie oft schauen sie täglich auf den Börsenkurs der Post?

Regelmäßig, aber ich würde keine andere Entscheidung treffen, nur weil der Kurs zunächst in den Keller rauscht. Ich treffe auch keine Entscheidungen von Quartal zu Quartal oder gar von Tag zu Tag, sondern schaue, wie ich nachhaltig die Ertragskraft des Unternehmens stärken kann. Es gibt in einem Unternehmen mehr Stakeholder als nur die Investoren.

Das Geschäft der Logistiker gilt ja als konjunktureller Frühindikator: Wie wirkt sich die Finanzkrise auf die Deutsche Post aus?

Auch wir spüren jetzt die Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Allerdings verzeichneten wir bis Ende September erst in einigen wenigen Ländern Rückgänge bei der Frachtmenge. Wir gehen aber davon aus, dass wir in den nächsten Monaten weltweit einen signifikanten Abschwung beobachten werden. Das wird sich natürlich auch auf unser Geschäft auswirken. Doch im Vergleich mit den Konkurrenten UPS und Fedex sind wir gut aufgestellt. So sind unser Briefgeschäft und auch die Logistik im Gegensatz zum Expressgeschäft recht resistent gegen konjunkturelle Schwankungen.

Würden Sie ein Konjunkturprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft befürworten?

Historisch hat sich gezeigt, dass solche Programme nicht sehr lange wirken. Die jetzige Situation ist anders. Dennoch bin ich skeptisch, ob das funktionieren würde. Wir sollten vorsichtig sein, für alles Rettungspakete zu schnüren.

Nehmen Sie denn bei all den trüben Ausblicken auch Lichtblicke wahr, etwa die boomenden Märkte in Asien?

Wir sehen auch in Asien Signale, dass sich die Konjunktur abschwächt. Denn die Finanzmarktkrise zeichnet sich durch ein neues Phänomen aus: Das Konsumentenverhalten verändert sich schlagartig. Automobilherstellern brechen beispielsweise über Nacht die Märkte weg. Einfach weil die Menschen Sorge haben und Konsumentscheidungen zurückstellen. Die Krise wird von einer enormen Verunsicherung getrieben.

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