Interview zu Etiketten
„Primark ist der perfekte Feind“

Wegen Hilferufen auf Etiketten steht die Billigkette Primark in der Kritik. Marketingexperte Oliver Bienkowski erklärt im Interview, warum eine Kampagne gegen Primark wahrscheinlich ist – und wer dahinter stecken könnte.
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Ein Hilferuf via Etikett: In der Kleidung von Primark haben drei Briten Etiketten gefunden, in denen offenbar Arbeiter auf ihre Notsituation aufmerksam machen wollen. Man arbeite „wie Ochsen“, hieß es in einem Etikett. Auf einem anderen stand, man werde gezwungen, bis zur Erschöpfung zur arbeiten. Ein weiterer sprach von „erniedrigenden Bedingungen in einer Knochenmühle“. Im Netz entlud sich ein Shitstorm über Primark.

Doch inzwischen gibt es Zweifel daran, ob die Etiketten echt sind. Experten schätzen, dass auch andere Interessen dahinter stecken könnten – zum Beispiel von Konkurrenten oder Nicht-Regierungsorganisationen (NGO). In diesem Fall spräche man von „Guerilla Marketing“, da auf die Arbeitsbedingungen der Billigkette indirekt aufmerksam gemacht wird. Oliver Bienkowski ist Manager der Guerilla-Marketingagentur Caveman. Im Interview erklärt er, warum er eine Kampagne für wahrscheinlich hält – und warum er es genauso gemacht hätte.

Herr Bienkowski, können Sie sich vorstellen, dass die Zettel in der Primark-Kleidung nicht echt sind und ein Unternehmen oder eine Organisation so auf die oft kritisierten Arbeitsbedingungen bei Primark aufmerksam machen wollte?
Ich könnte mir das auf jeden Fall denken.

Warum?
Wenn man die ganzen Details zusammenzählt, …

... beispielsweise, dass die Hosen seit 2009 nicht mehr im Verkauf sein sollen …
… dann sieht das ja fast so aus, als ob jemand mit dem Auto nach Nordirland gefahren ist und in Belfast da irgendwelche Etiketten reingenäht hat. Das einzige, was ich sehr abstrakt finde, ist die Nummer mit dem chinesischen Gefängnis.

Das stand auch in einem der Zettel.
Genau. Das finde ich schon einen witzigen, kreativen Bogen zu den Arbeitsbedingungen, unter denen Primark produziert. Aber es ist auch eine krasse Unterstellung.

Wer hätte Interesse an einer solchen Unterstellung, falls die Etiketten nicht echt sein sollten?
Entweder ein Konkurrent oder eine Nicht-Regierungsorganisation. Wenn es ein Konkurrent war, kann es einfach Bad Campaigning sein, er wollte also Primark schlecht dastehen lassen. Aber ich würde eher eine NGO vermuten, die mit dem Thema auf die Horror-Arbeitsbedingungen von Primark hinweisen wollte.

Andere Unternehmen wie H&M sollen auch unter widrigen Bedingungen produzieren.
Ja, aber Primark ist wegen seiner Art und wegen seinen günstigen Preisen der perfekte Feind. Es ist einfach ein Ausbeuterunternehmen.

Primark

Umsatz des Textileinzelhandelsunternehmens Primark

in den Geschäftsjahren 2008 bis 2013 (in Milliarden Britischen Pfund)

( mit der Maus über die Grafik fahren)


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„Wir hätten die Aktion auf jeden Fall mitgemacht“

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