Interview zum Air-Berlin-Börsengang
Ryanair-Chef: „Der größte Straßenraub seit Jahren“

Für starke Worte ist Michael O'Leary, der Vorstandschef der größten europäischen Billigfluggesellschaft Ryanair, ja ohnehin berühmt-berüchtigt. Da nimmt es nicht Wunder, dass der Ire im Handelsblatt-Interview beim Thema Air-Berlin-Börsengang den Mund wieder ziemlich voll nimmt.

Handelsblatt: Herr O’ Leary, wie viele Air-Berlin-Aktien haben Sie in der Vorwoche gezeichnet?

Michael O’Leary: Sind Sie verrückt? Die Nummer ist doch der größte Straßenraub seit Jahren. Da investieren tatsächlich Menschen in eine Fluglinie, die im Vorjahr 116 Millionen Euro Verlust gemacht hat. Was soll ich mit dieser Aktie?

Investieren! Air Berlin folgt doch weitgehend Ihrem erfolgreichen Geschäftsmodell einer schlank aufgestellten Billigfluglinie.

Das ist doch Quatsch. Air Berlin ist zu 80 Prozent eine Chartergesellschaft mit viel zu hohen Kosten und viel zu hohen Preisen. Allein die aktuellen Kerosinzuschläge von Air Berlin sind halb so hoch wie unser durchschnittlicher Ticketpreis. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen Ryanair und Air Berlin ist die, dass beide Firmenchefs eine große Klappe haben.

Müssen Sie das jetzt sagen, weil Air Berlin mit den Erlösen aus dem geplanten Börsengang allmählich ein unangenehmer Gegner für Ryanair wird?

Air Berlin könnte dreieinhalb Milliarden Euro kassieren, und an der Situation würde sich nichts ändern. Wir haben die niedrigsten Kosten, die niedrigsten Preise und die höchste Gewinnmarge aller Airlines weltweit. Air Berlin indes macht seit Jahren Verluste, wie die meisten anderen Fluglinien auch. LTU, DBA, HLX, Hapagfly – es ist doch verrückt. Sorry, aber im deutschen Flugverkehr werden immer neue Millionen in dummes Zeug investiert.

Ihr „Blutbad“, das Sie der europäischen Flugbranche vor Jahren prophezeit haben, ist bisher aber ausgeblieben. Abgesehen von kleineren Firmenpleiten halten sich die meisten Airlines noch immer in der Luft.

Das Blutbad können Sie tagtäglich am Himmel über Deutschland sehen. Überall wird das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen. Das ist absurd.

Der deutsche Flugmarkt ist besonders hart umkämpft. Ist das der Grund, weshalb Ryanair in anderen Auslandsmärkten wie Italien oder Spanien präsenter ist als hier?

Dafür, dass uns der frühere Lufthansa-Chef Jürgen Weber vor sieben Jahren ein kurzes Gastspiel prophezeit hat, schlagen wir uns prächtig. Ryanair fliegt hier inzwischen sechs Millionen Passagiere pro Jahr und wird diese Zahl bis 2012 auf zwölf Millionen Fluggäste verdoppeln. Nein, wir gehen diesem kranken Wettbewerb in Deutschland bestimmt nicht aus dem Weg.

Seite 1:

Ryanair-Chef: „Der größte Straßenraub seit Jahren“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%