Investitionen steigen
Hotelketten setzen auf Russlands Provinz

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem in Russlands Wirtschaftspresse nicht Hotelprojekte angekündigt werden. In Moskau und St. Petersburg besteht weiterhin hoher Bedarf an neuen Herbergen. In- und ausländische Betreiber zieht es aber auch zunehmend in die Regionen. Besonders eine Hotelgruppe ist dort auf dem Vormarsch.

bfai MOSKAU. Während in der Hauptstadt vor allem Luxushäuser entstehen, setzen Investoren in anderen Landesteilen verstärkt auf Drei- und Vier- Sterne-Hotels. Trotzdem bleiben die Vorzeigemetropolen Moskau und St. Petersburg angesichts ihres gewaltigen Bedarfs an zusätzlichen Unterbringungskapazitäten für Investoren interessant.

Da in den Vorzeigemetropolen Moskau und St. Petersburg die lukrativsten Standorte weitgehend vergeben, Kosten und bürokratischer Aufwand (z.B. Grundstücksvergabe, Bewilligungen, Auflagen) dagegen oft unerklärlich hoch sind, sehen sich immer mehr Hotelbetreiber nach Alternativen um. Viele Millionenstädte in den Regionen punkten mit transparenteren Spielregeln (insbesondere bei der Grundstücksverteilung) und erschwinglicheren Preisen. Die dortigen Verwaltungen haben ein großes Interesse an der Aufstockung ihrer Hotelkapazitäten. Sie zeigen sich daher eher bereit, Investoren bei strittigen Fragen entgegen zu kommen. Zudem haben die großen Ketten außerhalb Moskaus bislang kaum Konkurrenz zu fürchten.

Eine besonders rasante Entwicklung vollzieht derzeit die Hotelwirtschaft in Jekaterinburg. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Discovery Research Group wurden dort 2005 elf größere Hotels neu eröffnet. Für 2006 sind weitere zehn Neuzugänge geplant. Viel versprechend kommt auch der Hotelsektor im Kaliningrader Gebiet und im Krasnodarskij Kraj mit seinem Tourismusmagneten Sotschi voran. Laut Schätzungen der Discovery Research Group wird der Hotelneubau rund um den Schwarzmeer-Kurort in nächster Zeit jährlich um mindestens 20 bis 25% zulegen.

Russlandweit ist der Hotelsektor in den letzten zehn Jahren p.a. um rd. 15 bis 20% gewachsen. Zu diesem Aufwärtstrend wesentlich beigetragen haben die in den Regionen neu entstandenen kleineren Hotels (mit 10 bis 100 Zimmern). Besonders in den südlichen Ferienorten (wie Sotschi, Anapa und Gelendschik) und in den altrussischen Städten des "Goldenen Rings" hat sich dieses Format durchgesetzt.

Größtenteils Drei- bis Vier-Sterne-Häuser

Zugenommen haben nach Angaben von Analysten auch Hotels mit einer Fläche von 7000 bis 12 000 qm (üblicherweise 100 bis 200 Zimmer). Bei den Objekten handelt es sich größtenteils um Drei- bis Vier-Sterne-Herbergen. Die Investitionen belaufen sich auf ca. 80 000 bis 110 000 US-Dollar je Zimmer.

Von den internationalen Ketten haben sich vor allem Rezidor SAS (Marke "Radisson SAS", Vier- und Fünf-Sterne-Häuser), Park Inn (drei und vier Sterne), Country Inn (zwei und drei Sterne), die Cendant Gruppe (vertreten durch die Ermitage Group; "Ramada"-Hotels, vier Sterne), Days Inn (zwei und drei Sterne), Marriott und Accor in die Regionen vorgewagt. Die US-amerikanischen Best Western-Hotels praktizieren bei ihrer regionalen Expansion den Schulterschluss mit dem Unternehmen City-Hotel (Bonita-Group).

Landesweit am aktivsten zeigt sich die Accor Group, die in Russland bislang mit ihren Developern bestens harmoniert (z.B. durch die Vergabe von Kreditgarantien). In die Russland-Projekte der Kette ist oft die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) eingeschaltet. Rezidor SAS visiert vor allem die Großstädte in den rohstoffreichen Gegenden an - wie Tjumen, Krasnojarsk, Omsk und Novosibirsk. Mariott interessiert sich besonders für Jekaterinburg, Kaliningrad und Nischnij Novgorod, die Cedant Group für das Ural-Gebiet, Kaliningrad, Tjumen und die Insel Sachalin.

Die Qualitätssegmente werden nach Ansicht von Experten in Zukunft hauptsächlich westliche Hotelkonzerne bedienen. Einheimischen Akteuren dürften weitgehend Hotels der mittleren Kategorie, kleinere Herbergen und Appartement-Häuser vorbehalten sein.

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