Investitionsprogramm in Höhe von 590 Millionen Euro
RWE-Tochter Thames Water saniert Londons Unterwelt

Im 19. Jahrhundert galt Londons Kanalisation als technisches Wunderwerk und wurde zum Vorbild viele Kanalnätze in deutschen Städten. Heute, rund 125 Jahre später, ist das System überfordert.

HB LONDON. Gelbliche Salzkrusten hängen von der Decke, unten plätschert ein trübes Rinnsal um die Stiefel, der Lichtkegel der Grubenlampe schneidet durch wabernden Dampf. Das Schild an der Wand ist halb von Rost zerfressen, nur „SBRIDGE“ lässt sich noch entziffern. Entfernt sind Autos zu hören, die über einen Gullydeckel klappern. Der unwirtliche Ort befindet sich nur wenige Meter unter dem Pflaster einer der bekanntesten Einkaufsstraßen der Welt – Knightsbridge. Oben pilgern Touristen zum Kaufhaus Harrods, unten fließen die Abwässer gen Themse.

Die Abwasserkanäle, vom Hyde Park kommend, führen nur wenig Wasser an diesem Oktobertag. Vincent Minney, Führer der kleinen Besuchergruppe, weist stolz auf das gleichmäßige Muster der roten Backsteinwände hin. „Hier waren damals wirklich Fachleute am Werk“, sagt er. 1875 wurde der Kanal gebaut – in der viktorianischen Zeit, als London aufblühte. Als technisches Wunderwerk galt das Kanalnetz. Es verbesserte die hygienischen Verhältnisse schlagartig und wurde zum Vorbild vieler Kanalnetze in deutschen Städten.

Inzwischen entspricht das Netz aber nicht mehr den Bedürfnissen. Um die Ecke kreuzt der Hauptkanal einen weiteren Kanal, der ein paar Meter tiefer verläuft. „Das ist der Überlauf“, erklärt Minney. „Bei einem Gewitterregen füllt sich das hier unglaublich schnell“, sagt er.

Bei einem kräftigen Gewittersturm reichen aber auch die Überlaufkanäle und manchmal selbst die viele Millionen Liter fassenden Auffangbecken nicht. Dann läuft Abwasser ungeklärt in die Themse. Meistens merkt das keiner, doch gerade bei niedrigem Wasserstand macht sich der Überlauf anrüchig bemerkbar.

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