Investor
Ägypter kauft Steigenberger-Hotelgruppe

Zäsur für dast 80 Jahre deutsche Hotelgeschichte: Die Eigentümerfamilie der Hotelgruppe Steigenberger verkauft ihren kompletten Anteil an einen ägyptische Investor. Der neue Eigentümer plant offenbar keine Brüche mit der Tradition.
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HB FRANKFURT. Die Familie Steigenberger hat ihre traditionsreiche Hotelgruppe verkauft. Neuer Eigentümer sei der ägyptische Tourismus-Konzern Travco, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mit. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Steigenberger-Gruppe hat rund 6 500 Mitarbeiter und betreibt derzeit 81 Hotels, darunter auch 31 Intercity Hotels. Die Hotels und Marken sollen unverändert fortgeführt werden, Entlassungen seien nicht geplant.

Die Familie sei zu der Überzeugung gekommen, dass die geplante internationale Expansion nur mit einem internationalen Partner möglich sei, sagte eine Sprecherin zu den Beweggründen. Zudem seien in der Wirtschaftskrise die Umsätze gesunken. "Der Verkauf ist der Familie schwergefallen, es ist schließlich das Erbe, es wurde lange darüber nachgedacht", ergänzte sie. Wie bisher bleibe die Familie aber im Besitz von drei Hotel-Immobilien in Frankfurt und in der Schweiz, die von der Steigenberger-Gruppe betrieben werden.

Bereits seit längerem war über einen möglichen Verkauf spekuliert worden, weil die Hotels vergleichsweise wenig Rendite abwarfen und hohe Investitionen notwendig sind. Konkrete Verkaufspläne hatte die Familie aber stets zurückgewiesen. Im vergangenen Jahr erzielte die Gruppe einen Gesamtumsatz einschließlich Franchise-Betrieben von rund 500 Millionen Euro. Operativ wies der Konzern einen Gewinn von 11,9 Millionen Euro aus.

Der ägyptische Investor Travco betreibt bereits Hotels unter den Marken "Jaz", "Iberotel" und "Sol Y Mar". Die Steigenberger- und Intercity-Hotels würden das Angebot der Ägypter überschneidungsfrei ergänzen, hieß es in einer Mitteilung. Mit der Übernahme kämen zwei in ihrer Tradition familiengeprägte Unternehmen zusammen. Travco gehört dem Ägypter Hamed El Chiaty, der die Firma 1979 gründete. Zur Travco-Gruppe mit 18.000 Mitarbeitern und zuletzt 600 Millionen Euro Umsatz gehört auch die mit 22 Schiffen größte Flotte von Nilkreuzfahrtschiffen.

"Wir wollen die Zukunft von Steigenberger langfristig sichern. Mit Travco haben wir einen in der Hotellerie erfahrenen Partner gefunden, der unseren eingeschlagenen Weg voll und ganz unterstützt", sagte Steigenberger-Vorstandschef André Witschi. Hamed El Chiaty sagte: "In einer besonders herausfordernden Zeit für die Hotelindustrie bekräftigt diese Entscheidung unseren Führungsanspruch innerhalb der Tourismusbranche. Zusammen werden wir die Hotellerie in Europa und dem Nahen Osten in den nächsten Jahren wesentlich mitgestalten."

Die Steigenberger Hotels haben eine fast 80-jährige Tradition. 1930 hatte Albert Steigenberger das Gründungshotel in Baden-Baden, den Europäischen Hof, übernommen. Zehn Jahre später erwarb er den Frankfurter Hof in der Mainmetropole. Im Laufe der Jahrzehnte kamen etliche weitere Häuser dazu. Als 1985 Egon Steigenberger, der das Unternehmen in zweiter Generation führte, starb, wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Daran hielt die Steigenberger- Familie - Anne-Marie Steigenberger und ihre drei Töchter - zuletzt 99,6 Prozent der Anteile, die nun verkauft wurden. Die übrigen 0,4 Prozent sind im Besitz überwiegend von Mitarbeitern.

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