Investoren besorgt
Beluga-Pleite schlägt hohe Wellen

Die Probleme der Bremer Beluga-Gruppe haben bei tausenden Kleininvestoren für große Verunsicherung gesorgt und die Reederei-Branche völlig unerwartet getroffen. Als Ursache vermuten Experten verfehlte Charterraten.
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Bremen/HamburgNach drei schwierigen Jahren wähnten sich die deutschen Reeder auf dem Kurs in ruhigere Gewässer. Doch die Probleme der Bremer Beluga-Gruppe treffen die Branche unerwartet wie ein Sturm. Ausgerechnet das Hauptgeschäft der weltgrößten Schwergut-Reederei galt als Garant gegen Krisen. "Bei der Ladung handelt es sich zumeist um langfristig bestellte Investitionsgüter sowie Geräte für Großprojekte wie Kraftwerke", sagt ein Manager eines Beluga-Mitbewerbers. Die Entwicklung verunsichert tausende Kleininvestoren, deren Kapital mit hunderten sogenannter "Einschiffgesellschaften" das Rückgrat der deutschen Handelsflotte bildet.

Kaum eine Handelsnation hat so großen Einfluss auf die internationale Schifffahrt wie Deutschland. "Ein Drittel der weltweiten Containerflotte wird von hiesigen Reedern kontrolliert", sagt der Direktor am Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), Prof. Burkhard Lemper. "Die Branche ist größtenteils klein und mittelständisch geprägt", ergänzt die Schiffsmarktexpertin des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Lorena Bücklers.

Rund 300 deutsche Reeder sind laut VDR-Statistik in der internationalen Handelsschifffahrt tätig: "Durchschnittlich hat jeder von ihnen 11 Schiffe", rechnet Bücklers vor. Die Hälfte der Betriebe hat fünf Schiffe oder weniger, die Reedereistruktur zeichnet sich durch eine große Zahl familien- und inhabergeführter Unternehmen aus.

Der Schwerpunkt der deutschen Reeder liegt in der Containerschifffahrt. Knapp zwei Drittel der Flotte von rund 3600 Frachtern sind auf den Transport der normierten Boxen spezialisiert. 16 Prozent sind in der Tankschifffahrt beschäftigt; 14 Prozent transportieren Massengut wie Erz oder Getreide; 8 Prozent sind Stückgutschiffe, zu denen auch die Beluga-Flotte zählt. Der überwiegende Teil der Flotte ist an ausländische Reedereien verchartert.

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Renditeerwartung hängt von zahlreichen Faktoren ab

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  • Das Problem, wenn wir von kriminellen Machenschaften der Beluga absehen, ist die Dummheit und Verantwortungslosigkeit der Verkäufer dieser Fonds und der Investoren. Ich bin jeden Tag aufs neue geschockt, wie viele Menschen fast ihr ganzes Geld in Schiffe gesteckt haben. Wegen Tonnagesteuer fast steuerfrei ...; und schon ist das Hirn deaktiviert. Geld gehört in viele verschiedene Anlageklassen und Märkte. Und es muss nachvollziehbar sein, wie die Rendite verdient wird. Aber doch nicht immer in Schiffe oder Immobilien oder Gold. Auch der Run auf Erneuerbare Energieen wird Anleger noch viel Geld kosten. Letztes Jahr über 100 neue Angebote von über 40 größtenteils neuen Anbietern. Wer wird denn das 20 Jahre durchziehen?? Bei der Geldanlage muss man sich eben intensiv mit den Angeboten beschäftigen. So wie bei einer Waschmaschine, eine LCD-Fernseher oder einem Auto. Vergesst die Schifffahrt für ein paar Jahre. Dann kann man das neu bewerten. Und sperrt die Betrüger ein!

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