Investoren
Mordaschow stockt seine Tui-Anteile auf

"Wir glauben diesem Kerl kein Wort mehr", sagt ein Betriebsrat von Tui über den norwegischen Investor John Fredriksen. Dessen Konkurrent Mordaschow hat nun sein Aktienpaket aufgestockt. Der Kampf um Macht und Einfluss bei Tui wird härter.

DÜSSELDORF. Der Kampf um Macht und Einfluss bei der Tui nimmt immer neue Wendungen. Einen Tag, nachdem der norwegische Großaktionär John Fredriksen der Stadt Hamburg angeboten hat, Tui gemeinsam zu übernehmen, stockt der russische Milliardär Alexej Mordaschow seine Anteile auf. Mordaschow kaufte am Mittwoch für 70 Mill. Euro Tui-Aktien von der spanischen Hotelgruppe Fiesta. Mordaschow zahlte 17,50 Euro pro Aktie - ein Aufschlag von mehr als 15 Prozent auf den Marktpreis. Er hält nun 11,6 Prozent der Tui-Aktien und rückt dem größten Aktionär Fredriksen näher, der 15 Prozent besitzt. Der Tui-Kurs zog deutlich an.

Beobachter werten den Schritt Mordaschows als Absage an Fredriksen. Der Norweger hatte dem Russen kürzlich ein zweites Angebot für dessen Anteile vorgelegt, und war abgeblitzt. Statt dessen stockt Mordaschow nun selbst auf und stärkt Vorstandschef Michael Frenzel und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow den Rücken. Fredriksen fordert öffentlich die Ablösung der beiden. Seine Anträge zu ihrer Nichtentlastung scheiterten aber auf der Hauptversammlung im Mai - Mordaschow zog nicht mit.

Dabei ist noch immer unklar, wie weit der Russe und der Norweger tatsächlich auseinander liegen. Mordaschow interessiert sich vor allem für das Reisegeschäft von Tui, Fredriksen für die Tui-Tochter Hapag Lloyd. Derzeit wird der Verkauf der Hamburger Reederei vorbereitet. Dieses Projekt war von Fredriksen erst begrüßt worden, nun will er es jedoch stoppen und Hapag statt dessen an die Börse bringen. Dies werde sowohl den Unternehmenswert am meisten steigern als auch die Hapag-Arbeitsplätze im Hamburg halten, sagt ein Fredriksen-Sprecher. Bei einem Verkauf etwa an die Reederei NOL aus Singapur, die ihr Interesse bereits bekundet hat, wären viele Stellen in Gefahr.

Während in Hamburg gestern Mitarbeiter von Hapag erneut für ihre Arbeitsplätze demonstrierten, stößt Fredriksen in der Tui-Zentrale in Hannover auf wenig Gegenliebe. "Wir glauben diesem Kerl kein Wort mehr", sagt ein Betriebsrat, der auch im Aufsichtsrat der Tui sitzt. "Erst so, dann so. Der will uns doch nur in die Irre führen und Geld machen."

Fredriksen verrate sich mit seinen Aussagen selbst, heißt es aus dem Umfeld von Tui. Seine Aussage, es stünden bis zu 20 Prozent der anderen Aktionäre hinter ihm, sei ein klarer Hinweis auf einen Gesetzesverstoß. Denn wer mehr als 30 Prozent einer AG kontrolliert, muss laut Aktienrecht ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre machen. Dieses liegt aber nicht vor.

Fredriksen weist allerdings einen Verstoß von sich, und auch Experten sind skeptisch. "Es gibt zwar das sogenannte acting in concert, also gemeinsames, abgesprochenes Vorgehen von Aktionären, die dann als einzelner Akteur gewertet werden müssten", sagt Aktienrechtler Stefan ten Doornkaat. "Doch so etwas ist schwer nachzuweisen."

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen sieht in den Äußerungen Fredriksens kein Problem. "Nur dass sich Herr Fredriksen mit anderen Aktionären bespricht, bedeutet noch nicht, dass er mit ihnen ein gemeinsames Verhalten abstimmt", sagt eine Sprecherin. "Wir sehen keinen Handlungsbedarf."

Heute trifft sich der Aufsichtsrat der Tui. Als Diskussionspunkt gibt es die Ankündigung von Fredriksen, den Verkauf von Hapag per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Es gebe Rechtsgutachten, nach denen ein Verkauf von einer Hauptversammlung genehmigt werden müsse, sagt ein Sprecher. Der Tui-Aufsichtsrat wird dies wohl abweisen. Ein Mitglied sagt: "Fredriksen hat seine Rechtsgutachten, wir haben unsere."

Schlingerkurs

Niedergang

Die leidgeprüften Aktionäre der Tui durften sich im vergangenen Sommer Hoffnung machen. Der Einstieg von John Fredriksen trieb den Kurs bis auf 21 Euro - 50 Prozent mehr als Anfang 2007.Seit 2008 ist er aber wieder abgestürzt. Fredriksen selbst hat schon rund 100 Mill. Euro verloren.

Absatzbewegung

Manche Beobachter halten den Ausstieg der Fiesta Hotelgruppe für ein Zeichen, dass Tui-Chef Frenzel seine Unterstützer verliert. Dies sei der Beginn einer Absetzbewegung, hieß es im Aktionärsumfeld. Eine andere Erklärung ist, dass Großaktionär Mordaschow die niedrigen Kurse genauso nutzt wie Fredriksen, der jüngst ebenfalls zukaufte.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%