Irische Fluggesellschaften: Ryanair scheitert bei Übernahmeversuch von Aer Lingus

Irische Fluggesellschaften
Ryanair scheitert bei Übernahmeversuch von Aer Lingus

Der Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O'Leary, ist mit einer Übernahme von Konkurrent Aer Lingus wieder am Veto der EU-Kommission gescheitert. Nun will der Ire die Übernahme gerichtlich erzwingen.
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BrüsselDie EU-Kommission verbietet der irischen Fluggesellschaft Ryanair, den einheimischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Der geplante Verbund drohe den freien Wettbewerb auf 46 Strecken von und nach Irland zu behindern. Das entschied die Behörde nach einer mehrmonatigen Wettbewerbsprüfung am Mittwoch in Brüssel.

Der Billigflieger Ryanair hatte zuvor versucht, mit Zugeständnissen die Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen. Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte im Interview mit Handelsblatt Online für den Fall einer Ablehnung bereits eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof angekündigt. „Wir werden vor Gericht ziehen und zeigen, dass die Kommission dabei nicht fair war“, so O'Leary.

Die EU-Kommission begründet das Fusionsverbot damit, dass „der Zusammenschluss zum Nachteil der Verbraucher ausgefallen wäre“. Auf den Strecken, wo sich die beiden Airlines zur Zeit einen harten Kampf lieferten, hätte Ryanair sonst ein Monopol oder zumindest eine marktbeherrschende Stellung errungen.

„Mit diesem Beschluss schützt die Kommission über 11 Millionen irische und europäische Flugreisende, die jedes Jahr ab oder nach Dublin, Cork, Knock und Shannon fliegen. Sie hätten nach der Übernahme von Aer Lingus durch Ryanair höchstwahrscheinlich höhere Preise zahlen müssen“, erklärte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Ein Haupthindernis lag für die EU-Kommission darin, dass beide Airlines Dublin als Drehkreuz haben. Bei Kurzstreckenflügen aus der irischen Hauptstadt kamen Ryanair und Aer Lingus demnach vergangenes Jahr zusammen auf einen Marktanteil von 87 Prozent.

Aer Lingus begrüßte erwartungsgemäß die Entscheidung. „Das Übernahmeangebot hätte niemals abgegeben werden sollen“, sagte Vorstandschef Christoph Müller. Wie immer bei geplanten Fusionen, die in Brüssel grünes Licht beantragen und auf Bedenken stoßen, hatte die Kommission auch Konkurrenten sowie Dritte um ihre Meinung gefragt, darunter Verbraucherverbände und Reiseveranstalter.

Verbote sind selten. In diesem Fall war das Nein aber erwartet worden, da Zugeständnisse von Ryanair die Brüsseler Behörde nicht überzeugten. Die von Ryanair eingereichten „Abhilfemaßnahmen waren aus Sicht von Aer Lingus nicht überzeugend und brachten keine Klarheit“, sagte Müller.

Ryanair war bereits 2007 mit einem ersten Übernahmeversuch von Aer Lingus in Brüssel gescheitert. Abgesehen davon verbot die EU-Kommission bisher nur eine einzige Übernahme im Luftfahrtsektor, nämlich die von Aegean Airlines durch Olympic Air im Jahr 2011. Auch im Fall der griechischen Unternehmen befürchtete die Kommission, dass letztlich die Passagiere die Zeche bezahlt hätten.

Aer Lingus kündigte an, die laufende Prüfung 30-Prozent-Beteiligung von Ryanair an Aer Lingus durch die britischen Wettbewerbsbehörden zu unterstützen. Die Prüfung solle zeigen, ob die Beteiligung überhaupt haltbar sei.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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