Irische Konkurrenten
Ryanair muss sich von Anteilen an Aer Lingus trennen

Die britischen Wettbewerbsschützer bleiben hart: Ryanair muss die Beteiligung an Aer Lingus massiv reduzieren. Ryanair-Chef Michael O'Leary wettert gegen die Entscheidung, sie sei „bizarr und offenbar falsch“.
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LondonDie britischen Wettbewerbsbehörden haben Ryanair im Ringen um die Übernahme der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus einen schweren Rückschlag versetzt und sogar einen Verkauf von Anteilen gefordert. Die Aufsichtsbehörde erklärte am Mittwoch, der Wettbewerb werde durch die Beteiligung von Ryanair an Aer Lingus substanziell beeinträchtigt. Ryanair müsse deswegen seinen Anteil auf fünf von derzeit 30 Prozent reduzieren.

Die Wettbewerbsbehörde bestätigte eine vorläufige Entscheidung vom Mai. Es gebe einen Widerspruch zwischen der Rolle als Konkurrent und der als größter Aktionär von Aer Lingus, erklärte die Behörde. Ryanair sei bestrebt, die Wettbewerbsposition seines Gegners zu schwächen.

Ryanair bezeichnete die Entscheidung als „bizarr und offenbar falsch“ und kündigte Berufung an. Damit könnte sich der Rechtsstreit noch Jahre hinziehen. Aer Lingus dagegen zeigte sich erleichtert: Die Entscheidung der Kartellbehörde sei eine erneute Bestätigung dafür, dass die bisherige Minderheitsbeteiligung des härtesten Wettbewerbers wettbewerbsschädlich sei - und „völlig konträr“ zu den Interessen der Passagiere, die zwischen Großbritannien und Irland befördert werden.

Die frei werdenden Anteile von Aer Lingus dürften nicht von einer anderen Fluggesellschaft gekauft werden, verfügte die Kartellbehörde weiter. Ryanair hatte sich im Juli überraschend bereit erklärt, seine Aer-Lingus-Anteile an eine andere EU-Airline zu verkaufen. Experten sprachen von einem Schritt, mit dem der Easyjet-Rivale einem Zwangsverkauf zuvorkommen wolle. „Das ändert nichts, denn es gibt keinen offensichtlichen Käufer“, sagte Donal O'Neill von Goodbody Stockbrokers im Juli. Mit dem Angebot solle vermutlich der Ausgangspunkt für ein Berufungsverfahren gegen den zu erwartenden Zwangsverkauf geschaffen werden.

Ryanair bemüht sich seit sieben Jahren um Aer Lingus. Erst vor sechs Monaten hatte die EU-Kommission den dritten Versuch von Ryanair-Chef Michael O'Leary blockiert, die irische Gesellschaft zu übernehmen. Die beiden Airlines sind mit Abstand die wichtigsten Luftfahrtunternehmen, die Flüge von und nach Irland anbieten. Ihr gemeinsamer Marktanteil bei Kurzstreckenflügen ab Dublin betrug im vergangenen Jahr 87 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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