Irreführende Finanzanzeige
Verwirrung um Altaktionäre bei Air Berlin

Am Freitagmorgen sorgte eine Finanzanzeige von Air Berlin für Verwirrung: Beim flüchtigen Lesen konnte der Eindruck gewonnen werden, Alteigentümer der Fluggesellschaft hätten direkt nach dem Börsengang Anteile abgestoßen. Das wäre ein Bruch der im Emissionsprospekt festgeschriebenen Haltefrist gewesen. Tatsächlich haben die Altaktionäre aber zugekauft. Wie die Verwirrung entstanden war.

HB FRANKFURT. Die Altaktionäre der Billigfluggesellschaft Air Berlin halten nach Unternehmensangaben unverändert rund 40 Prozent der Anteile. Die Angaben in einer Pflichtveröffentlichung in der „Börsen-Zeitung“ vom Freitag über eine Reduzierung der Anteile gingen nicht auf Aktienverkäufe zurück, erläuterte ein Sprecher des Unternehmens. Die beim Börsengang für die Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) vorgesehenen Aktien der Altaktionäre seien vorübergehend abgezogen worden, inzwischen aber wieder in den Bestand zurückgeflossen. Auf diese Weise hätten sich die Anteile verändert.

Der Greenshoe war nicht ausgeübt worden, weil die Nachfrage nach Air-Berlin-Aktien beim Börsengang im Mai zu gering gewesen war. So gingen 6 Mill. Aktien – was rund 10 Prozent der Anteile entspricht – zurück ans Unternehmen.

„Die Altaktionäre sind ein halbes Jahr gebunden und haben auch keine Aktien verkauft“, sagte der Sprecher. Unternehmenschef Joachim Hunold, der Reise-Unternehmer Johannes Zurnieden (Phönix-Reisen) und Mitgesellschafter Severin Schulte hätten ihre Anteile sogar noch erhöht. Neben Hunold, Zurnieden und Schulte tauchten in der Finanzanzeige auch die Alteigentümer Severin Schulte, Werner Huehn, Hans Joachim Knieps und die Ringerike GmbH auf.

Aus der Platzierung von gut 40 Mill. Aktien nahm Air Berlin nach Abzug aller Kosten knapp 200 Mill. Euro ein. Eine ähnlich hohe Summe floss an die Altaktionäre. 40 Mill. Euro zahlte Air Berlin für Werbung und Banken.

Die Aktie von Air Berlin war kurz nach der Erstnotierung auf Grund zahlreicher Verkäufe unter den Ausgabepreis von 11,25 Euro gefallen. Aktuell liegt der Kurs bei um die 10 Euro. Dabei hatte Air Berlin kurz vor der Neuemission sogar die Preisspanne gesenkt. Eigentlich wollte die Fluggesellschaft bis zu 17,50 Euro pro Papier erlösen. Doch die kurz zuvor präsentierte Bilanz 2005 hatte die Anleger verschreckt: Vor Zinsen und Steuern lag das Minus bei 5 Mill. Euro; netto verlor die Fluggesellschaft sogar 116 Mill. Euro.

Derzeit befänden sich gut 60 Prozent der Aktien in Streubesitz, sagte der Sprecher.

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