Isabella de Krassny
Praktiker-Aktionärin will Banken rauskaufen

Die Praktiker-Großaktionärin de Krassny glaubt an die Zukunft der Baumarktkette und will Geld investieren. Zumindest kurzfristig ist der Betrieb gesichert: Laut dem Insolvenzverwalter werden die Filialen weiter öffnen.
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BerlinDie Praktiker-Filialen in Deutschland schließen erst einmal nicht: Der vorläufige Insolvenzverwalter der Kette, der Rechtsanwalt Christopher Seagon, will den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten. "Zunächst müssen wir den Geschäftsbetrieb der Unternehmen stabilisieren, um so die Voraussetzung dafür zu schaffen, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern", sagte Seagon. Er wolle dann in den kommenden Wochen "Möglichkeiten für ein Sanierungskonzept prüfen", kündigte der vom Amtsgericht Hamburg bestellte Jurist am Freitag an. Die Praktiker-Filialen blieben geöffnet, "der Verkauf geht mit allen Beschäftigten unverändert weiter".

Seagon ist Insolvenzverwalter für acht Praktiker-Gesellschaften. Für die Obergesellschaft Praktiker AG, die beim Amtsgericht Saarbrücken Insolvenzantrag stellte, wurde am Freitag Udo Gröner von der Kanzlei Heimes & Müller zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt, wie der Konzern mitteilte. Die Max-Bahr-Baumärkte sowie das Auslandsgechäft sind von den Insolvenzanträgen nicht betroffen.

Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny geht nach der Insolvenz mit der Firmen-Strategie ins Gericht. In einem vorab veröffentlichten Interview mit der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) sagte de Krassny: "Die ständigen Rabattaktionen, die gefahren wurden, um Geld in die Kassen zu bekommen, haben das Unternehmen in den Tod getrieben. Wer ständig 20 Prozent Rabatt auf alles außer Tiernahrung gibt, verzichtet auf 20 Prozent Umsatz." Die Kunden wären auch gekommen, wenn man nur einzelne Warengruppen rabattiert hätte.

Die Argumentation Praktikers, dass die Insolvenz angemeldet werden musste, weil Gespräche mit Geldgebern über eine kurzfristig nötige Liquiditätsspritze von bis zu 35 Millionen Euro scheiterten, weist de Krassny zurück: "Das Geld wäre da gewesen. Das Problem war, dass die sehr gut besicherten Gläubiger keine Sicherheiten aufgeben wollten. Und es auch kein konstruktives Gespräch mit den Investoren gab." Zudem wäre sie bereit gewesen, gemeinsam mit ihren Mann Alain de Krassny, der über seine Beteiligungsgesellschaft Donau Invest knapp zehn Prozent der Anteile hält, zehn Millionen Euro zu investieren.

"Ein weiterer Investor war bereit, weitere 30 Millionen Euro zu investieren und hätte zusätzlich rund 80 unrentable Standorte übernommen. Es lagen 40 Millionen Euro auf dem Tisch. Unser Angebot wurde jedoch abgelehnt." Trotz der Insolvenz glaubt de Krassny an die Überlebensfähigkeit von Praktiker. "Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende. Wir überlegen gerade gemeinsam mit weiteren Investoren, die Banken rauszukaufen und ihre Kredite abzulösen", fügte sie hinzu.

Praktiker könne profitabel werden, wenn der Konzern sein Kosten deutlich senkt. Da gebe es viel Potential. "Im Einkauf könnte man mit besseren Verträgen jedes Jahr 80 Millionen Euro sparen. Der Verwaltungsapparat ist aufgebläht, frisst acht Prozent des Umsatzes. Branchenüblich sind vier Prozent. Im Übrigen, in den letzten eineinhalb Jahren wurden 80 Millionen Euro alleine für Berater-Gutachten ausgegeben. Praktiker wurde regelrecht ausgeblutet." Die Großaktionärin spricht sich gegen eine Zerschlagung aus, weil dabei immer Werte vernichtet würden. "Schon jetzt kreisen doch die Aasgeier, die sich die besten Stücke rauspicken wollen", sagte de Krassny.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Jemand schreibt in der Presse - wir sind ein seelenloses Unternehmen. Dem pflichte ich bei. Selbst bei anfragen in anderen Filialen geschweige den in der Zentale kamm man sich wie ein Bittsteller vor. Aber was unsere Filiale und bestimmt auch noch viele andere Praktikermärkte angeht,so sind wir untereinander wie eine große Familie. So sehe ich seit Jahren wie Kollegen über Ihre Kräfte hinaus wachsen - ständig Personalabbau vor Augen und wenn man das Glück hat seinen Arbeitsplatz zu erhalten - die Arbeit von Kollegen mitzumachen. Ob Kurzarbeit oder 4,99% vom Gehalt, keine Schulungen - aber Arbteilungsübergreifend arbeiten, ob keine Motivation aber immer mehr 20% Auktionen - gehen 20% nicht mehr gibts 35% - man reduziert Ware weil sie Ladenhüter sind und bekommt die selbe Ware zum Normalpreis wieder. Es wird nur der schnelle Provit gesehen und nicht die Wünsche der Kunden. Aber eines haben unsere Manager daoben vergessen - der Markt ist groß. Wir haben vor Jahren schon gesagt was wir wollen - was unsere Kunden wollen - keiner hat auf uns gehört. Arbeitgeber wollen flexsieble Mitarbeiter - wir wollen Manager die flexibel sind. Wir kämpfen um jeden zufriedenen Kunden, den er kommt wieder und bringt uns unseren Lohn. Bauen wir Mist werden wir Entlassen, natürlich ohne Abfindung - baut Ihr Mist bekommt Ihr Abfindungen die den Jahresgehalt einer ganzen Finiale übersteigt und hattet auch noch Berater zur Seite die am Tag mehr verdienen als wir im Monat. Wir schlafen nicht gut, weil wir nicht wissen wie wir in 3 Monaten unsere Familien ernähren sollen - wir schlafen nicht gut wenn wir in die Gesichter unserer Kollegen sehen, wir schlafen nicht gut wenn wir darüber nachdenken das alle Qualen umsonst waren. Aber wir werden am Montag wieder mit einem Lächeln in unserer Filiale stehn und um jeden zufriedenen Kunden kämpfen - Rede und Antwort stehen warum fast alle Ware nicht mehr mehr Verkauft werden darf und uns fragen warum hat keiner auf uns gehört.

  • Ich finde höchst unfair, wie hier mit Überlegungen von Frau de Krassny umgegangen wird.
    Hat man alte Rechnungen vor Augen mag das vlt angehen, aber selbst dann sollte soviel Fairness noch geboten sein, um alles zu unternehmen, um ein Unternehmen wieder auf die Spur zu bringen.

    Natürlich kann man Praktiker vollends in die Tonne treten.
    Nur wem bringt das was?
    Dem Mitwettbewerb?
    Den Kunden?

    Also nachdenken bitte, bevor hier deutsche Lemmingkultur wieder Urständ feiert.

  • Ganz Ihrer Meinung. Nicht immer führt vorsätzliches Handeln zu destruktiven Erscheinungen. Sehr oft reicht Unfähigkeit, verbunden mit Arroganz und Selbstüberschätzung, um zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen. Und wie auch oft bei Politikern führt eben die Verlegenheit der Unwissenden, sofern sie Entscheidungsgewalt inne haben, zu falschen Entschlüssen und damit nicht selten zur Katastrophe.

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