ISE-Kauf
Hedge-Fonds fordert Börse heraus

Der Deutschen Börse droht erneut eine Revolte mächtiger Hedge-Fonds unter ihren Aktionären. Der US-Hedge-Fonds und zweitgrößte Aktionär Atticus lehnt den milliardenschweren Kauf der US-Optionsbörse ISE als zu teuer ab und droht dem Management.

HB/ben/mm/rob/tor FRANKFURT/NEW YORK. „Wir prüfen zudem alle Optionen, die uns als Aktionär zustehen“, schrieb der Fonds in einem Brief an Vorstand und Aufsichtsrat des Frankfurter Konzerns. Die Deutsche Börse betonte, die Akquisition sei einstimmig vom Aufsichtsrat beschlossen worden. Man sei sicher, dass sie Wert für die Aktionäre schaffen werde.

Das Management der Börse sieht sich seit Ende 2004 einer Gruppe von Hedge-Fonds gegenüber, die statt Übernahmen lieber die Ausschüttung der Gewinne des hoch profitablen Konzerns fordern. Damals revoltierten Atticus und der britische Hedge-Fonds TCI, die derzeit gemeinsam knapp 20 Prozent an der Börse halten, gegen die Übernahme der Londoner Börse (LSE). Es gelang ihnen, die Ausschüttung der Kriegskasse von rund zwei Mrd. Euro und die Demission des damaligen Vorstandschefs Werner Seifert zu erzwingen. Seither hat sich der Aktienkurs der Börse verdreifacht und den Aktionären Milliardengewinne gebracht.

Die Kritik von Atticus entzündet sich an der Übernahme der zweitgrößten US-Optionsbörse International Exchange (ISE) für rund zwei Mrd. Euro. Für den Zukauf würde die Börse das laufende Ausschüttungsprogramm für die Aktionäre aussetzen. Außerdem ging der Aktienkurs der Börse nach Bekanntgabe der Übernahme kontinuierlich zurück. Analysten hatten den Kauf zu einem Preis, der mehr als 40 Prozent über dem letzten Kurs der ISE-Aktie lag, als teuer, aber strategisch sinnvoll bezeichnet. Seit der Fusion der Weltleitbörse New York Stock Exchange mit der Pariser Euronext drohte Frankfurt in die Isolation zu geraten.

Unklar ist bislang, ob Atticus auf der Hauptversammlung der Börse am Freitag mit der Unterstützung anderer Hedge-Fonds rechnen kann. Der Fonds selbst wollte sich dazu zunächst nicht äußern. TCI, bislang zumeist an der Seite von Atticus, hielt sich gestern zunächst mit öffentlicher Kritik an der Börse zurück und wollte den Brief von Atticus nicht kommentieren. Bei einem Londoner Hedge-Fonds-Manager und Anteilseigner der Börse hieß es, das Vorgehen von Atticus sei seines Wissens nicht mit anderen Fonds koordiniert. Gleichzeitig warf er der Börse schwere Kommunikationsfehler vor. Das Management habe die Aktionäre im Glauben gelassen, dass sie mit weiteren großen Ausschüttungen rechnen könnten. Es habe keinerlei Vorbereitungen auf einen so großen Zukauf gegeben.

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