Israels Espressobar-Ketten boomen
Der Siegeszug der „Koffein-Davids“

Die Trinkgewohnheiten der Israelis haben sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Bekam man früher allerorts nur Kaffeepulver mit heißem Wasser aufgebrüht, kann man heute aus einem Riesensortiment der insgesamt sechs Espressobarketten auswählen. Einige der Unternehmen haben bereits den Sprung ins Ausland gewagt – mit großem Erfolg.

TEL AVIV. „Freitagmittags herrscht hier regelrecht Krieg“, sagt Chaim Capone. Der Werbetexter muss es wissen, denn er ist regelmäßig hier. Gern trinkt er nach dem Einkaufen noch schnell einen Cappuccino im Shopping-Center neben dem Ichilov-Hospital in Tel Aviv. „Die Leute“, sagt Capone nur halb amüsiert, „prügeln sich fast um die Sitzplätze.“

Im „Aroma“, einer Espressobar, kommen sie alle zusammen: neben einer bunten Mischung aus mehr oder weniger rüstigen Senioren der nahe gelegenen Altenresidenz sitzen Patienten des riesigen Krankenhauskomplexes, teilweise im offenen OP-Hemd und mit Infusionsgestell im Schlepptau. In einer anderen Ecke rekeln sich Teenager aus der Nachbarschaft und Familien mit Kindern. Sie alle strömen scharenweise hierher, um sich eine der zahlreichen Kaffeespezialitäten zu gönnen, ein Sandwich zu essen, zu plaudern oder um sich durch die telefonbuchdicken Wochenendzeitungen zu arbeiten. Ab 11.00 Uhr vormittags ist der Laden rappelvoll.

Das „Aroma“ ist damit Sinnbild für den Wandel der Trinkgewohnheiten der Israelis, für den Siegeszug der „Koffein-Davids“. Kaffee ist auch in diesem auf Traditionen bedachten Land längst nicht mehr nur ein brauner Wachmacher. Kaffee ist Lifestyle. Und die zugehörigen Ladenketten werden mittlerweile in alle Welt exportiert. Selbst in den USA, dem Heimatland des Platzhirschs „Starbucks“, haben sich die Israelis bereits etabliert.

Würde heute ein Zeitreisender aus den sechziger Jahren versuchen, in Israel einen Kaffee zu bestellen, so hätte er angesichts von bis zu dreißig angebotenen koffeinhaltigen Getränken in einer modernen Espressobar große Probleme, sich zurechtzufinden. Denn in den guten alten Pioniertagen gab es nur „Kaffee Botz“, zu Deutsch: „Kaffee Schlamm“ oder „Kaffee Turki“, die türkische Version. Kaffeepulver wurde einfach mit heißem Wasser aufgebrüht, Zucker dazu, fertig. Beim Trinken knirschte es ordentlich zwischen den Zähnen, und im Glas klebte anschließend eine rasch zu Beton werdende braune Pampe, deren Entsorgung der Abflussreinigungsbranche vermutlich fette Margen bescherte. Später tauchte dann „Kaffee Ness“ auf, ein Instantprodukt, das nicht wie der Name suggeriert aus dem Hause Nestlé stammte, sondern sich mit dem Begriff „Wunderkaffee“ übersetzen lässt – und geschmacklich eher an Batteriesäure erinnerte.

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