Istanbul soll zum internationalen Drehkreuz werden
Turkish Airlines will europäische Konkurrenz überholen

Aufwind in der Krise: Während andere Fluggesellschaften in die roten Zahlen stürzen, erzielt die türkische Nationalairline Türk Hava Yollari, weiter Gewinne. Und im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten, die Flugzeuge parken, um die Kapazitäten der sinkenden Nachfrage anzupassen, verhandelt die Fluggesellschaft, die unter dem Namen Turkish Airlines fliegt, mit Boeing und Airbus über den Kauf neuer Maschinen.

ISTANBUL. Temel Kotil (50), der die Airline als Vorstandschef seit 2005 auf einen steilen Wachstumskurs führte, will hoch hinaus. "Wir werden die größte Fluggesellschaft in Europa", verkündete Kotil selbstbewusst. Bisher sind sie die Nummer sieben.

Bis Ende 2009 sollen fünf Anflugorte hinzukommen. Nachdem die Zahl der beförderten Passagiere 2008 um 15 Prozent wuchs, konnte die Gesellschaft in den ersten fünf Monaten dieses Jahres neun Prozent mehr Fluggäste an Bord ihrer Jets begrüßen. Trotz der globalen Krise glaubt Vorstandschef Kotil 2009 das Wachstum des Vorjahres noch übertreffen zu können. "Wir rechnen mit einem Zuwachs von 19 Prozent auf 26,7 Mio. Passagiere."

Auch wirtschaftlich steht die Fluggesellschaft, die noch zu 49 Prozent in Staatsbesitz ist, gut da: Im vergangenen Jahr verdreifachte das Unternehmen seinen Nettogewinn auf 598 Mio. Euro. Im ersten Quartal 2009 verzeichnete Türk Hava Yollari (THY) einen Nettogewinn von 72 Mio. Euro. Das sind 37 Prozent weniger als im Vorjahr.

Umso lukrativer ist für THY das Premium-Segment: Bei den Business-Class-Passagieren will die Airline weiter zulegen und dabei den Heimatflughafen Istanbul als Drehkreuz zwischen Europa und Asien nutzen. Dabei hilft der Fluggesellschaft auch ihr 2008 vollzogener Beitritt zur Star Alliance, dem weltgrößten Airline-Bündnis. "Wir wollen zu allen wichtigen Städten in Europa fliegen und sie über Istanbul mit anderen Zielen in aller Welt verbinden", beschreibt THY-Chef Kotil die Strategie. Dieses Jahr erwartet Turkish Airlines rund zwei Millionen Umsteiger in Istanbul, in fünf Jahren sollen es bereits zehn Millionen sein. Für Kenner des Atatürk-Airports am Marmarameer ist das allerdings eine eher beängstigende Vorstellung. Der Flughafen operiert bereits jetzt an seiner Kapazitätsgrenze und hat kaum mehr Ausbaupotenzial.

Trotzdem will THY die Flotte in den nächsten Jahren erheblich vergrößern. Nachdem THY bereits im vergangenen Oktober 105 neue Airbus - und Boeing-Jets orderte, soll jetzt vor allem die Langstreckenflotte verstärkt werden. Je sieben zweistrahlige Maschinen des Typs Airbus A330 und Boeing 777 hat die türksche Fluggesellschaft kürzlich bestellt, dazu Optionen für weitere drei A330 gezeichnet. Um Engpässe auf der Langstrecke zu überbrücken, hat THY überdies vier Boeing 777 von der indischen Jet Airways geleast. Mit den bereits bestellten Airbus - und Boeing-Jets will THY die Langstreckenflotte bis 2012 auf 38 Maschinen verdoppeln.

Und die Airline will weiter wachsen. THY-Vizepräsident Orhan Sivrikaya bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Fluggesellschaft nun mit Airbus und Boeing über den Kauf weiterer Langstreckenmaschinen verhandelt: Man prüfe Angebote für den Boeing "Dreamliner" 787 und den Airbus-Superjumbo A380. Sivrikaya: "Die Entscheidung wird bald fallen."

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%