Italien will Kontrolle über Alitalia abgeben
Lufthansa will keine Alitalia-Beteiligung

Die Deutsche Lufthansa lehnt eine Beteiligung an der italienischen Fluggesellschaft Alitalia kategorisch ab. „Ein Einstieg bei Alitalia kommt derzeit für uns nicht in Frage“, sagte Lufthansa-Vertriebschef Thierry Antinori dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. „Einmal sind wir mit Air Dolomiti und Air One auf dem Markt präsent und dort die größte ausländische Fluggesellschaft. Außerdem ist Alitalia derzeit in einer Verfassung, die so etwas nicht in Frage kommen lässt.“

Italien will Anfang 2007 rund die Hälfte seines Alitalia-Anteils verkaufen und so die Kontrolle an der Fluggesellschaft abgeben. Hintergrund sind Bemühungen der Regierung in Rom, den angeschlagenen Konzern durch eine neue Eigentümerstruktur zu retten. Das Bieterverfahren sei für alle offen, erklärte das Kabinett am Freitag. „Alitalia kommt nicht ohne einen Kapitalzufluss von neuen Industrie- oder Finanzunternehmen aus“, hieß es. Weil die Aktien am frühen Nachmittag um mehr als zehn Prozent zulegten, wurden sie vom Handel ausgesetzt.

Der italienische Staat hält derzeit 49,9 Prozent an Alitalia, die zu den zehn größten Fluggesellschaften in Europa gehört.Rund 25 Prozent sollten zum Verkauf gestellt werden, teilte ein Kabinettsmitglied mit. Ministerpräsident Romano Prodi ließ erklären, das Kabinett habe beschlossen, sich von einem der Sperrminorität entsprechenden Anteil zu trennen. Verkehrsminister Alessandro Bianchi kündigte den Verkauf für Anfang kommenden Jahres an.

Bis Januar will die Regierung zudem einen Plan zur Rettung des Unternehmens vorlegen, das im laufenden Jahr mit einem Verlust von mehr als 220 Millionen Euro rechnet. Angesichts der roten Zahlen ist Alitalia schon seit längerem auf der Suche nach einem Partner und führte mit Europas größter Fluggesellschaft Air France-KLM bereits erste Gespräche.

Trotz der jahrelangen Verluste wird die Fluglinie in Italien aber immer noch als ein strategischer Wert gesehen. Einem Teilverkauf stehen zudem nationalistische Empfindungen entgegen, die jedoch jüngst von Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli als überholt zurückgewiesen wurden. „Es hat heute keinen Sinn, den so genannten italienischen Charakter der Fluglinie zu verteidigen“, schrieb Cimoli in einer Wirtschaftszeitung. „Die Konkurrenz ist gnadenlos und die Antwort kann nur die Schaffung einer starken europäischen Gruppe sein.“

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