Italienische Fluggesellschaft
Chavez als Retter von Alitalia im Gespräch

Hugo Chavez als weißer Ritter für Alitalia. Ausgerechnet die venezolanische Fluggesellschaft Aserca Aerea meldet Interesse an der vom Bankrott bedrohten Alitalia an.

MAILAND. "Mit der Hilfe der sozialistischen Regierung der Bolivarischen Republik von Venezuela sind wir sicher, dass wir einen Teil Großteil der Probleme lösen können, die in diesem Moment Alitalia und deren Mitarbeiter betreffen", ließ die Fluggesellschaft wissen. Die verzweifelten Rettungsversuche für die halbstaatliche Fluggesellschaft nehmen immer abstrusere Ausmaße an.

Am Dienstag hat der Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi mögliche Käufer per Anzeige in Tageszeitungen aufgerufen, ihr Interesse bis zum 30. September anzumelden. Dem sind angeblich verschiedene Investoren gefolgt, die an einzelnen Bereichen oder Maschinen interessiert sind.

"Verstaatlichung, Verstaatlichung!" riefen die Stewardessen und Piloten noch vor einer Woche freudig, als sie die Nachricht über den Rückzug der Privatinvestoren erfahren haben. Mittlerweile scheint ihnen aufgegangen zu sein, dass sogar der Regierung von Silvio Berlusconi die Hände gebunden hat und sie nicht einfach Alitalia verstaatlichen kann.

Jetzt also die Regierung in Caracas. Um den schwankenden Ölpreis für das Kerosin müsste sich Chavez mit seinen Ölreserven zumindest weniger Sorgen machen als das rohstoffarme Italien. Dennoch: Bisher scheint die venezolanische Offerte keiner wirklich ernst zu nehmen. Nur eine Fangruppe hat Chavez bereits: Der Sekretär der Partei der Widergegründeten Kommunisten Paolo Ferrero, hat das Angebot bereits begrüßt. Viel zählen dürfte das allerdings nicht. Denn Cheavez Verbündete haben bei den letzten Wahlen nicht einmal den Einzug ins Parlament geschafft.

Berlusconi soll angeblich auch einen Retter aus dem Ausland dulden, der sich aber bitte brav einreihen soll und nicht die Mehrheit übernehmen soll. Im Klartext: Lufthansa darf mitspielen, aber nicht kommandieren. Alles klar?

Lufthansa und Air France-KLM halten sich bisher mit Äußerungen zurück. Sie scheinen auf die Insolvenz von Alitalia zu spekulieren und haben angeblich bereits die Slots auf der lukrativen Strecke Mailand-Rom für die Wintersaison angefragt. Da könnten sie dann mit eigenen Maschinen fliegen, ohne sich den Ärger mit den Alitalia-Gewerkschaften einzuhandeln. Vielleicht kommt Hugo Chavez ja auch noch auf die Idee.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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